You are currently viewing Mit dem Camper freistehen, wildcampen, Campingplatz Teil 2

Mit dem Camper freistehen, wildcampen, Campingplatz Teil 2

Weiter geht es mit Teil 2 über freistehen, wildcampen, Campingplatz und die vielen anderen Möglichkeiten und was dabei beachtet werden sollte. Bitte beachte, es fließt sehr viel unserer eigenen Meinung und Eindrücke in den Beitrag ein, häufig auch ein Schuss Emotion, denn für unser aller Zukunft des Campens und Freistehens finden wir es einfach wichtig ein paar „Regeln“ zu beachten.

Für die meisten ist es selbstverständlich sich achtsam zu verhalten, aber für einige (und aufgrund des Booms leider zunehmend mehr) lautet die Devise anscheinend: “ Nach mir die Sintflut“, oder es fehlt ihnen einfach an Bewusstsein für die Sache (oder Anstand). Die Zeiten haben sich aber nun mal geändert, daher müssen wir mit einem angepassten Bewusstsein an die Sache ran gehen damit wir alle auch in Zukunft noch halbwegs unbeschwert mit dem Camper unterwegs sein können.

Freistehen

Als sich plötzlich das Camper-Universum veränderte und parttime/fulltime „Vanlife“ zum Trend wurde, gefühlt jeder zweite einen Lieferwagen ausbaute und verreisen wollte, war es fast ein „MUSS“ frei zu stehen. 🙁

Versteht mich nicht falsch, wir stehen auch gerne frei und seit vielen Jahren versuchen wir es rücksichtsvoll und leise zu tun. Leider gibt es auch einige, die nur an ihr eigenes Vergnügen denken und denen der Rest vollkommen egal ist, da wird von Markise bis zur faltbaren Küche aufgebaut was der Camping-Megastore her gibt, obwohl die Gegebenheiten vor Ort einfach dagegen sprechen. Da rottet man sich zusammen, baut große Wagenburgen und ab geht die Party über mehrere Tage an Orten die Einheimische zur Erholung aufsuchen, weil es dort einfach schön ist (war!). Diese Art des Freistehens würde ich eher als Wildcamping mit Kolonialisierung bezeichnen. Nicht gut!

Leider ist für viele beim Freistehen der Stuhlgang im Gebüsch hinter dem Fahrzeug völlig selbstverständlich und so darf das herumfliegende Klopapier in der Nähe des Campers auch nicht fehlen. Vor einigen Jahren gab es tatsächlich noch etwas weniger Möglichkeiten zur Verrichtung des Geschäfts im bzw. außerhalb des Fahrzeugs und die Auswahl beschränkte sich auf die Kassettentoilette mit der chemischen Füllung.

Mittlerweile gibt es einfach keine Ausrede, weshalb man keine Toilette im Camper dabei hat (oder wenigstens einen Spaten, der aber dann auch benutzt werden sollte). Die Auswahl ist riesig und in jeder Größe gibt es eine Lösung. Hey, wir fahren seit 15 Jahren in einem recht handlichen VW Bus rum… ich weiß wovon ich spreche!

Es ist einfach Bequemlichkeit und purer Egoismus, wenn jetzt noch irgendwo Klopapier in der Natur herumfliegt und die Hinterlassenschaften in der Hecke nebenan zu sehen sind.

Du wurdest erwischt? – Einfach mal zu den Konsequenzen stehen!

Freistehen erfordert auch einfach ein wenig Feingefühl. Dann kommen wieder die Facebook Kommentare ala „Man darf doch in einigen Ländern eine Nacht zur Erlangung der Fahrtüchtigkeit übernachten wo man gerade will“ Ja, aber du Otto übernachtest dort, weil du mit einem Reisemobil unterwegs bist und das hat nun mal nicht das geringste mit der Erlangung der Fahrtüchtigkeit bei einer Langstreckentour auf z.B. der Autobahn zu tun!

Und wenn man dann von der Polizei geweckt wird, dann muss man einfach auch den Anstand haben und das Ordnungsgeld zahlen ohne sich ewig in einer Vanlife Facebook Gruppe auszuheulen und dort nach fadenscheinigen Schlupflöchern zu suchen, wie die Strafe umgangen werden soll! Vielleicht lernt ihr daraus und sucht euch das nächste Mal einen „besseren“ Platz 😉

„Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchen bewusst zu sein.“ 

Thomas Carlyle

Freisteh-Verbote

Auch ein Punkt den ich absolut nicht nachvollziehen kann: Wenn schon so und so viele Fahrzeuge am gewünschten Platz stehen, warum stellt man sich dann noch dazu? Man ist dann einfach zu spät für diesen Ort und muss halt weiter ziehen. Nein, beim Freistehen sollte es kein geselliges Happening auf einem Parkplatz oder Hafen mit dutzenden Fahrzeugen geben. Zumindest nicht, wenn nicht die Gegebenheiten vor Ort gründlich geklärt sind (und ja, es gibt diese wirklich einsamen Plätze, an denen es absolut kein Problem ist zusammen zu stehen, aber eben nicht überall)

Es hat schon einen Grund, weshalb die Camping-Verbote immer mehr werden und teils massiv dagegen vorgegangen wird. Es wurde einfach maßlos übertrieben und die wenigsten von uns würden wollen, wenn sich vor der eigenen Haustür, dutzende Camper über Wochen oder sogar Monate in Wagenburgen zusammenrotten und vielleicht die Landschaft verunreinigen. Noch dazu, lassen freistehende Wohnmobilisten einfach viel weniger Geld im Ort, als andere Reisenden.

Freistehen als Anfänger, obwohl man Angst hat?

Muss man denn überhaupt freistehen? Es gibt absolut keinen Grund, frei zu stehen wenn man sich dabei nicht wohl fühlt. Mittlerweile gibt es wirklich gute Alternativen und richtig tolle, kleine Campingplätze die oft nicht viel Geld kosten. In manchen Ländern gibt es auch außerhalb der Hauptsaison kostenlose offizielle Plätze, auf denen ihr übernachten dürft. Problemlos ist meist auch vor einem Restaurant etc. zu übernachten, wenn ihr dort etwas konsumiert. Reden und freundlich sein hilft…traut euch 😉

Wie wir freistehen

Du wirst bei uns keine konkreten Tipps bekommen, wo man generell ohne Probleme frei übernachten kann, denn es gibt keine Orte die man ohne Überlegungen einfach ansteuern kann. Vor Ort kann sich alles schnell ändern und je nach Saison etc. macht auch jeder andere Erfahrungen. Dies gilt fürs freistehen und auch fürs wildcampen.

Wer uns schon länger folgt weiß, dass wir schöne, ruhige Plätze bevorzugen. Auf Instagram zeigen wir gerne in den Stories die Umgebung, damit auch jeder sehen kann, dass es nicht nur aus einer bestimmten Perspektive fotografiert wurde, um Einsamkeit vorzutäuschen, sondern dass wir an unseren Plätzen wirklich alleine sind, wenn wir dies sagen 😉

Unsere Plätze finden wir seit vielen Jahren mit Maps. Es mag etwas dauern, bis ihr auf diesem Weg wisst worauf es ankommt, aber mit der Zeit werdet ihr mehr, für euch perfekte Plätze finden. Dadurch stehen in der Regel wesentlich weniger Camper an einem Platz und die Möglichkeit eines Verbots ist geringer.

Folge bitte auch keinen „Trends“ die hier und da propagiert werden. Das parken an Windkraftanlagen unter Autobahnbrücken und an stillgelegten Atomkraftwerken ist nicht so unbeschwert wie es dargestellt wird und wir wollen ja nicht dass nun alle das „herrliche“ Ambiente eines AKW durch Massen von Womos verunstalten 😉

Wildcampen

Wildcampen wird für viele mit Freistehen gleichgestellt. Tatsächlich gibt es einige Unterschiede. Beim Freistehen, steht man in der Regel eine Nacht und das möglichst unauffällig. Beim Wildcampen steht man länger an einem Platz und man richtet sich häuslich ein 😉

Es gibt durchaus noch Länder bzw. Orte in denen wildcampen erlaubt ist oder zumindest geduldet wird. Wenn nun alle zum Überwintern in die gleichen Länder fahren und sich an den gleichen Stränden zusammenrotten, über Wochen nicht weiter fahren und somit nicht entsorgen können und die Strände verunstalten, dann wird das zur Katastrophe.

Aktuell sind viele Menschen durch ihr Verhalten beispielsweise in Griechenland dabei für Verbote zu sorgen, nachdem Portugal zum überwintern „verbrannt“ ist. Es haben sich dort in der Wintersaison mancherorts am Strand an die 100 Fahrzeuge aus Westeuropa versammelt. Dies schädigt nachhaltig den Ruf der Community und wird Einschränkungen und Verbote für alle nach sich ziehen. Das ist hochgradig egoistisches Verhalten.

Wenn ihr also das nächste Mal in den sozialen Medien oder bei Van-Treffen hört, wie alle erzählen sie fahren in Land X, dann solltet ihr schnellstens eure Pläne für eine Fahrt nach Land Y oder Z ändern 😉

Campingplatz Landzunge Meer Frankreich
Manchmal hat man einfach auch Glück mit den Campingplätzen und steht ganz alleine auf einer Landzunge

Campen auf „privaten“ Stellplätzen

Seit wenigen Jahren tauchen immer mehr Internetportale auf, in denen Grundbesitzer Teile ihrer Anwesen und Flächen als Stellplatz für Wohnmobile und Campervans anbieten. Dies kann gegen Gebühr sein, häufig auch, gerade bei Landwirten gegen den Absatz von dort produzierten Produkten. D.h. ihr dürft beim Winzer auf dem Hof stehen, solltet euch dann aber auch mal ordentlich mit seinem Wein betrinken oder halt was im Hofladen kaufen.

Wir finden die Idee super, denn das entspannt die Lage etwas und die Fahrzeuge werden besser verteilt. Es kündigt sich jedoch schon jetzt an, das die Regierungen der Länder auch gegen diese Form des Tourismus mittels Anpassung der Campingverordnungen vorgehen. Leider ist diese Entwicklung manchem Campingplatzbetreiber ein Dorn im Auge und es wird versucht hier politisch Druck zu machen. Das Bundesland Bayern hat solche Art von Übernachtungen schon verboten…wir werden sehen, wie es weitergeht.

Campen gegen Hand

Urlaub gegen Hand ist eine sinnvolle Alternative, wenn ihr Campingplätze aufgrund der Kosten meidet und nicht gerne alleine seid. Hier wird in der Regel eine Zeit vereinbart, in der bei der Ernte, am Hof oder im Garten geholfen wird. Der Stellplatz bzw. Unterkunft und meist auch Essen ist dann kostenlos. Oft gibt es auch Familienanschluss und gute Tipps. Gastgeber könnt ihr z.B. bei Holiday4help finden.

Das Freisteh-App Dilemma oder warum man keine Plätze veröffentlicht

Als DIE App vor vielen Jahren ( weit vor Corona) im App-Store auftauchte, fanden sehr viele die Idee genial. Sooo viele Camper gab es nun nicht wirklich (zumindest war es kein Vergleich zu heute) und wenn es sich gestaut hat, dann vor allem in beliebten Ländern und zur Hauptsaison. Das hat sich seit dem „Vanlife“ Hype extrem geändert.

Die Corona Pandemie hat dem Ganzen dann noch die Krone aufgesetzt. Der Absatz von Freizeitmobilen boomt weiter. Nie gab es mehr Wohnmobile auf der Straße als heute. Schon morgen werden es noch mehr sein. Es gibt mittlerweile auch keine Saison mehr. Ob Sommer oder Winter, alle sind zu jeder Zeit on Tour. Diese Masse an Menschen unterschiedlicher Art spült nun auch eine große Zahl weniger begabter Camper auf die Straßen. Für alle gemeinsam stellt sich jedoch am Ende des Tages die Frage: „Wo schlafe ich in der Nacht?“

Die Lösung scheint für eine sehr große Zahl in den Apps Park4Night, iOverlander usw. zu liegen. Schließlich findet man mit einem Klick und kostenlos sofort einen Platz wo man hin kann. Hier setzt bei vielen dann aber die Intelligenz etwas aus, denn viele Menschen glauben dass sie mit Nutzung des gelisteten Ortes einen legalen Stellplatz gebucht haben. Weit gefehlt, es gibt hier mehr Regeln zu beachten als auf einem normalen Campingplatz in der Eifel. Mindestens 15 die ich später gerne mal ausführe. Was ist nun das Hauptproblem bei sehr vielen gelisteten Plätzen?

Wir sind einfach zu viele und unsere Fahrzeuge werden immer größer und auffälliger. Beispiele gefällig? Gesehen letzte Woche in einem abgelegenen Hafen in Kroatien: Kleiner Hafen mit Marina und Fischrestaurant. Öffentlicher Parkplatz neben dem Restaurant ist bei P4N gelistet, hat halt mal irgendjemand gut ne Nacht in der Nachsaison dort gepennt und prompt gedacht er holt sich etwas fame ins Haus wenn er den Platz veröffentlicht. Situation als wir dort vorbei gefahren sind: Zwei querparkende Wohnmobile, damit 7 verbaute Parkplätze. Es wurden die Stühle und das Duschzelt aufgestellt und gegrillt. Da stimmt was nicht, das merkt der dümmste, leider aber nicht die Herrschaften auf dem Parkplatz.

Was wir tun können

Andere Situation hier bei uns in der Nähe: Flussufer mit Radweg, mehrere größere Schotterflächen als offizielle Parkplätze. Alle Flächen durch unterschiedliche Listings bei P4N gelistet. Die angetroffene Situation: 16 Wohnmobile. Eine Parkfläche war komplett blockiert, bei der anderen wurde auf der Blumenwiese neben dem Parkplatz eine Wagenburg errichtet. Die Wiese ist übrigens in Privatbesitz. Viele mit Campingverhalten, bei einem lief unter dem Wohnwagen das Grauwasser auf den Boden. Freundlich darauf ansprechen hat in diesen Fällen leider nicht geholfen. Die Konsequenz sind verärgerte Anwohner, mehr Polizeipräsenz und die Aufstellung von Schildern mit Parkverbot für Wohnmobile. Da wir in der Nähe wohnen, bekommen wir die Aufregung live mit. Schade, war ein toller ruhiger Ort wo man einsam und idyllisch parken konnte.

Das erstellte Listing und die Minderbegabung der Camper hat den Ort vielleicht für immer verbrannt. So geschieht es mit annähernd jedem Platz der in diesen Apps gelistet wird. Die Rechnung geht mit dieser Masse an Fahrzeugen leider nicht mehr auf. Wird ein Ort mit einem Verbot belegt, ziehen alle einfach zum nächsten weiter, wie Heuschrecken bis auch dieser „verbrannt“ ist.

Wie wir mit etwas mehr Achtsamkeit die Freisteh-Situation verbessern können

Daher gilt beim freistehen: Steht schon einer da, fahr einfach weiter und suche dir was anderes. Der zweite noch wichtigere Punkt: Bitte, bitte stelle keine Orte in diese Apps ein oder löscht eure bereits eingestellten Plätze wieder. Freue dich einfach, dass du was gefunden hast und freue dich über deinen „geheimen“ Ort, der dir auch bei einem Besuch im Folgejahr noch zur Verfügung steht.

Sind diese Apps nun per se schlecht? Definitiv nicht, sie können sehr nützlich sein, wenn ihr sie verantwortungsbewusst verwendet. Dies gilt für alle Übernachtungsmöglichkeiten, egal ob beim Freistehen, wildcampen etc., denn wenn einige Grundsätze beachtet werden, haben wir alle noch lange Freude daran.

Uns würde interessieren, wie ihr zu dem Thema steht? Seid ihr Freisteher oder lieber auf Campingplätzen? Vielleicht haltet ihr es auch wie wir und macht es vom Land/ Jahreszeit und Platz abhängig? Gerne könnt ihr eure Meinung in den Kommentaren hinterlassen oder uns auch per E-Mail kunstwut(at)web.de schreiben. Auf Instagram könnt ihr uns natürlich auch ganz einfach schreiben. Wir freuen uns von euch zu hören 🙂

Jasmin

Hello ihr Reisenden, Individualisten, Bullifahrer, Camper...wir sind Jasmin und Michi und unterwegs mit unserem Eisbär, einem VW T3 California. Auf unserem Blog erzählen wir euch von unseren Erlebnissen unterwegs, geben Reisetipps und der VW T3 kommt natürlich auch nicht zu kurz.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Anonymous

    Genau so stehen wir seit vielen Jahren. Ertst mit Auto und Zelt , nun „konfortabler“ , HZJ Landcruiser mit Schlafdach. Erst Richtung Westeuropa – leider Touristisch „verbrannt“. Dann Osteuropa. ZB. Polen und weiter oder Kroatien und die weiteren Küstenländer ,das nach dem Krieg noch ideal war. Nun auch fast „verbrannt“. Es gibt nur noch sehr wenige Stellen, aber nur mit echtem 4×4 erreichbar. Wir hatten schon Besuch der Polizei mit der Sorge ob wir ein Problem hätten. Aber bei der Betrachtung der Situation und unserm Verhalten- das fast immer er Schlüssel ist, wurde uns noch eine gute Zeit gewünscht. Jahre weiter hält auch hier leider die kommerzialisierung mit befestigten Parkplätzen, Fressbuden und Bezahlaktivitäten Einzug und die ☆ Dumm – App’s ☆ tuen leider leider ihr übriges, so das alles genau das eintritt, wovon Ihr geschrieben habt. Somit es auch die feundlichkeit und interessiertheit der Einheimischen nicht mehr gibt oder in kommerz gewandelt ist. – will man’s Ihnen verdenken? Wir ziehen nun noch weiter……

    1. Jasmin

      Das hast du treffend zusammen gefasst. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Lg Jasmin

Schreibe einen Kommentar