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Im Sand festgefahren – Hilfsmittel um sich selbst zu befreien

Ein richtig cooler Tag am Autostrand. Mit dem Bulli fahren wir den kilometerlangen Strand entlang. Wir fühlen uns wie die coolsten, doch einmal kurz nicht aufgepasst und schon steckt man fest. Sand kommt in den unterschiedlichsten Zuständen daher. Der erfahrene Offroader (ganz egal ob 2 WD oder 4×4) kann den Sand mit einiger Erfahrung lesen und weiß wo kann ich mit meinem Fahrzeug fahren und wo ist schnell Feierabend. Sand ist nicht gleich Sand. Es kommt immer darauf an wie stark verdichtet er ist, welchen Wassergehalt er hat und wie der Untergrund beschaffen ist.

Trockener, frisch hingewehter Sand ist fies, ein stark wasserhaltiger Treibsand unter einer zunächst gut tragenden Decke aus verdichtetem feuchten Sand ist tückisch. Am häufigsten jedoch gibt es die Situation, bei der man sich in weichem trockenem Untergrund festfährt.

Auch mit 2WD Vans geeignet

Falls ihr denkt, die Hilfsmittel sind nur für Allrad Fahrzeuge, dann liegt ihr absolut falsch. Wir haben einen VW T3 California mit Heckantrieb und einen T3 Joker Syncro, also 4×4 und reisen auch mit unserem California Mild-Offroad (also sind überall, wo der Gastank nicht hängenbleibt 😉 ) und konnten uns mit den hier beschriebenen Hilfsmitteln, bisher immer ohne Hilfe und in kurzer Zeit selbst befreien. Der Allradler kommt ohne Hilfsmittel halt schon von Haus aus weiter ins verderben, nutzt dann aber die Gleiche Bergeausrüstung. Apropos Bergeausrüstung. Es gibt natürlich unfassbar viel mehr Gerümpel welches man mitschleppen kann um sich aus dem Schlamassel zu ziehen, wir beschränken uns noch auf die Basics.

Strand festfahren Offroad Overlander VW T3
An diesem kilometerlangen Strand sieht man sehr gut die dunkle gut fahrbare Rinne und den hellen, lockeren Sand

Ich steck im Sand, wer holt mich wieder raus?! Du dich selbst!

Schnell ist es passiert, der Karren steckt fest. Das Wichtigste was du jetzt tun musst ist „Ruhe bewahren“. Erstmal nachdenken was man machen kann und sich einen kleinen Plan zurecht legen. Achtung Achtung! Unterlasse jetzt unbedingt planloses hin und her probiere. Der Wagen wird immer tiefer einsinken und landet dann schließlich mit dem Unterboden oder anderen Fahrzeugteilen auf der Sandoberfläche. Damit hat man sich dann wirklich erfolgreich eingegraben. Wenn der Wagen mit Teilen der Karosserie auf dem Boden aufliegt, fehlt ihm nun der Anpressdruck der Reifen auf den Untergrund.

Da geht dann nichts mehr ohne Hilfsmittel. Zwei weitere Dinge die passieren wenn man hin und her orgelt. Erstens bilden sich tiefe Spurrinnen in denen das Rad steht und es müsste beim rausfahren, eine hohe Rampe aus Sand überfahren werden. Das ist wie eine Mauer.

Der zweite Grund ist gravierender für die Weiterfahrt. Du verschleißt unnötig deine Kupplung. Je nach Zustand und Alter kann das im Totalausfall enden und der Wagen fährt gar nicht mehr!

Ein bisschen technisches Grundwissen zum Auto. Mache dir klar welches deine Antriebsachse ist. Du musst immer im Kopf haben dass beide Antriebsräder Grip, also Traktion brauchen. Dein Differential, welches das Linke mit dem rechten Rad verbindet, ist meist nicht sperrbar, d.h. dreht auch nur ein Rad deiner Achse durch, bleibt das Rad auf der anderen Seite auch stehen und nichts geht mehr vorwärts. Klingt kompliziert, oder? Bei Youtube gibt es sehr anschauliche Videos dazu.

Es gibt technische Lösungen das Differential zu sperren. Manchmal kann man auch mit der klassischen Seilzughandbremse etwa nachhelfen. Also, wichtig ist, beide Räder brauchen Grip, keines darf in der Luft hängen (oder z.B. im Winter auf einer Eisplatte stehen).

Zurück zur Bergung: Wie schon geschrieben, erstmal nachdenken was man tut. Überlege dir die Richtung. Vielleicht ist es garnicht so schlau wieder rückwärts aus dem Schlamassel raus zu fahren wenn vorwärts ein besser beschaffener Untergrund vorliegt?!

Kompressor

Auf Romo in Dänemark oder auch an vielen Autostränden im Süden gibt es ja fast so etwas wie eine „Strand-Autobahn“ 😉 Eine lange Fahrspur, die ausgefahren und verdichtet ist. Oft unterscheidet sich die Farbe zum restlichen Sand und meist ist diese Spur sicher zu befahren. Fährt man davon allerdings nur kurz nach rechts oder links in den lockeren Sand, kann es vorkommen, dass man dort ganz schnell stecken bleibt.

Was wäre die erste Maßnahme? Reifen platt machen. Luftdruckabsenkungen (1-2 bar, teilweise sogar noch niedriger) sorgen für mehr Auflagefläche, denn die Fläche vergrößert sich. Es vergrößert sich hierbei nicht nur offensichtlich die Breite des Reifens, auch in der Länge bringt ein niedriger Reifendruck einiges an mehr Auflagefläche. Häufig reicht diese Maßnahme um zumindest wieder auf besser tragenden Untergrund zu fahren. Probiere es aus, platte Reifen bringen extrem viel. In einem niedrigen Gang für viel Drehmoment oder wenn vorhanden mit Untersetzung einfach weiter fahren.

Kompressor Sand festgefahren Hilfsmittel 12V Kompressor
Luft ablassen und dann geht es weiter

Hat man befestigten Untergrund erreicht, darf man jetzt keinesfalls vergessen wieder auf den vorgeschriebenen Reifendruck aufzufüllen. Dies wäre fatal für die Reifen und die Fahrsicherheit des Fahrzeugs!

Welchen Kompressor wir nutzen

Für kleine Campervans, Offroad PKW bzw. unseren VW T3 reicht ein robuster 12 Volt Minikompressor zum Reifendruck auffüllen. Wir und viele andere aus der Offroad Szene, empfehlen die preiswerten und sehr robusten Kompressoren von T-Max. Es gibt ihn in zwei Versionen – mit 72 lpm und 160 lpm. Wir haben die 72lpm Version und sind absolut zufrieden und er hat uns nach einem Jahr Nutzung und Offroad durch Albanien und Sizilien sehr gute Dienste geleistet.

Hier gibt es die T-Max Kompressoren, unseren mit 72lpm und den größeren mit 160lpm*

Anfahrhilfen, Sandbleche, Treds

Sandbleche bzw. Begreboards aus Kunststoff (in unserem Fall die von TRED) haben wir schon einige Jahre dabei und sie waren uns auch schon ein paar mal eine große Hilfe. Zwei Stück reichen in der Regel als Traktionshilfe oder zum Überbrücken von kleinen Hindernissen. Kunststoff-Sandbleche gibt es mittlerweile von einigen Herstellern. Sie unterscheiden sich in Länge, breite, Gewicht und vor allem in der Zähigkeit bzw. Qualität des Kunststoffs. Die Boards haben auf der Oberseite spezielle, robuste Zähne die sich mit dem Reifenprofil verzahnen sollen. Mittlerweile haben die Kunststoff Anfahrhilfen die klassischen Sandbleche, außer im LKW Sektor, verdrängt und sind diesen auch häufig überlegen.

Vorteile der Sandbleche/Anfahrhilfen aus Kunststoff

Die Bretter sind meist aus Kunststoff, aber auch welche aus GFK sind am Markt. Sie unterscheiden sich nicht nur im Material, sondern auch in der Länge, dem eigenen Gewicht und auch in der Traglast. Je nach Untergrund kann es jedoch sein, dass die Anfahrhilfe nicht gut funktioniert, die Bretter bzw. Waffleboards aus GFK sind zudem nicht als Überfahrhilfe geeignet.

Die Bretter aus Kunststoff sind in diesem Segment der Allrounder für verschiedene Untergründe und Situationen. Die Hersteller geben auch meist an, dass sie zudem als Schaufel genutzt werden können. Uns begeistert dieses Schaufeln nicht, wir haben daher eine echte Schaufel am Start.

Klassische Sandbleche, eigentlich ursprünglich sogenannte Luftlandebleche, sind aus Aluminium. Die Tragfähigkeit ist hier meist das Ausschlaggebende, denn für LKWs kommen gewichtsmäßig meist nur diese in Frage. Aber Achtung, es gibt hier sehr unterschiedliche Qualitäten mit stark unterschiedlicher Tragfähigkeit.

Wie helfe ich mir mit Anfahrhilfen/Sandbleche aus dem Sand

Sandbleche benutzt man folgendermaßen: Eure Antriebsräder grabt ihr frei, am besten mit einer festen Schaufel, so dass ihr eure Sandbleche möglichst waagerecht, mit viel Kraft unter die Räder gerammt bekommt. Ihr müsst in der gewünschten Fahrtrichtung freigraben und die Sandbleche sollten nicht schief unter den Reifen liegen. Man muss mit viel Gefühl anfahren. Wenn es nicht klappt, wieder schaufeln und Sandbleche so weit wie möglich unter die Räder bekommen. Das macht ihr so lange bis er sich bewegt.

Wenn ihr mit Hilfe der Sandbleche, angefahren seid, fahrt so lange bis ihr wieder festen Untergrund habt. Die Sandbleche könnt ihr an euer Fahrzeug binden, dann müsst ihr nicht den Weg wieder zurück um sie zu holen und sie werden auch gleich aus dem Untergrund gezerrt. Aber Achtung, es besteht gerade bei klassischen Sandblechen beim Anfahren die Gefahr dass das Blech nach hinten herausgeschleudert wird oder nach oben schlägt. Hier gibt es erhebliche Gefahr für Mensch und Fahrzeug. Also niemals während der Nutzung direkt dahinter stehen!

Welche Sandbleche

Ob eine Anschaffung von Sandblechen nun für euch persönlich sinnvoll ist oder nicht, muss natürlich jeder selbst für sich entscheiden. Es gibt wirklich eine riesige Auswahl und für jeden Typ und in jeder Qualität. Wir haben die Original Tred Pro Sandbleche und mit über 300 € sind sie schon teuer, aber auch hochwertig. Da sie ein Geburtstagsgeschenk waren, haben wir sie nicht selbst gekauft, denn sonst hätten wir uns wahrscheinlich für eine günstigere Variante entschieden.

..z.B. für die von Rhino:*

Lofoten Winter Camping
Auch im Schnee haben die Anfahrhilfen und ne Schaufel auch gute Dienste geleistet 😉

Schaufel

Eine Schaufel sollte wirklich jeder dabei haben. Wir haben seit 4 Jahren die Kunststoffschaufel von Fiskars und wirklich schon häufig genutzt, wir lieben sie. Top im Sand, Schnee, Schlamm und am Strand zum Burgen Bauen. Großer Vorteil, sie rostet nicht bei Kontakt mit Salzwasser und kann irgendwo außen am Fahrzeug transportiert werden. Zudem ist sie sehr leicht. Wenn nicht zum Ausgraben, dann freuen sich die Kinder am Strand auf die Leihgabe 😉

Nehmt eine feste Schaufel und keine zum Aufklappen. Auch wenn letztere praktischer zu transportieren ist, ihr werdet nicht so lange Freude daran haben. Einen Klappspaten, der auch als Hacke genutzt werden kann ist klein zu verstauen und eine schöne Ergänzung zur festen Schaufel, aber halt keine Alternative.

Wir wünschen euch viel Spaß unterwegs!

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Unterwegs im Camper Beiträge

kunstwut

Hello ihr Reisenden, Individualisten, Bulli-Fahrer, Camper...wir sind Jasmin und Michi, seit 2006 zusammen und genau so lange reisen wir schon in unserem Eisbär, einem VW T3. Wenn wir nicht gerade unterwegs sind, rettet Michi Menschen und schraubt am restlichen Bulli-Fuhrpark und Jasmin werkelt, malt und schmiedet neue Reisepläne. Treffen könnt ihr uns bei den Polarlichtern in Lappland, in der Wüste oder unter der Erde Sloweniens, immer genau da wo es Abenteuer gibt. Unser T3 hat mit seinen knapp 500.000 km schon einiges erlebt und über diese Erlebnisse erzählen wir euch auf unserem Blog. Außerdem erhaltet ihr hier viele Reisetipps und Themen rund um den VW T3 kommen natürlich auch nicht zu kurz.

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