Quallen, Seeigel und Co. – was tun nach einem Stich
Rochen am Cap Corse

Quallen, Seeigel und Co. – was tun nach einem Stich

Stachelige und brennende Lebewesen im Meer

Im Meer zu schwimmen oder zu schnorcheln ist wunderschön und für viele der Inbegriff von Urlaub. Nur ist das Meer, eben kein Schwimmbad, sondern der Lebensraum von unzähligen Bewohnern. Diese sind schön anzusehen und überwiegend harmlos. Selten kann es aber vorkommen, dass man mit einem, etwas unangenehmeren Meerestier in Kontakt kommt und es dann etwas schmerzhaft werden kann.

Erst einmal vorweg: Man muss keine Angst haben und kann ohne Bedenken im Mittelmeer schwimmen oder schnorcheln oder was auch immer tun. Ich bin kein Freund von einer heraufbeschworenen Hysterie, denn das schürt nur zusätzliche Ängste. Nun wurde aber mein Bericht über unsere bzw. Michis Quallen-Begegnung auf Korsika so häufig gelesen, dass es nur 2 Möglichkeiten gibt:

  1. Möglichkeit: Der Bericht ist einfach nur wahnsinnig toll geschrieben und ihr könnt einfach nicht genug davon bekommen!
  2. Möglichkeit: Ihr habt Angst, dass im Mittelmeer auf Korsika, Sardinien, oder wo auch immer ihr urlaubt, alles voller Quallen ist und ihr nicht einmal ins Meer kommt.

Wahrscheinlich lest ihr den Artikel wegen Möglichkeit 2. Ich kann euch beruhigen. In all den Jahren hat unsere Familie (bestehend aus 4 Personen) erst einmal eine Qualle erwischt, na gut..ehrlich gesagt schon 3x…das ist doch aber dennoch ein wirklich guter Schnitt, wenn man bedenkt wie oft wir in unserem Leben schon im Mittelmeer und anderen Ozeanen geschwommen sind 😉 Ich hatte übrigens noch nie Kontakt mit einer Qualle. Meine Theorie ist ja, dass es sich bei den Quallen, wie mit den Stechmücken verhält…die gehen auch immer auf Michi los 😉

Es kann aber auch sein, dass Michi im Urlaub einfach gerne alle giftigen und unangenehmen Lebewesen testet, die das Meer so zu bieten hat. Wir haben schon ein paar übereilte Aufbrüche vom Strand Richtung VW Bus hinter uns…Seeigelstacheln im Fuß, Quallen am Bauch und im Gesicht…dann muss es meist schnell gehen und der schnellste Weg ist, im Internet nach den Erste Hilfe Maßnahmen für solche Fälle zu suchen. 

Bei meinen Suchen im Internet musste ich feststellen, dass es unglaubliche viele Tipps zur Behandlung gibt, die bei näherem Betrachten vieles verschlimmern. So habe ich mich mit den bisher noch wenigen Studien über Quallen beschäftigt und bin nun gut gewappnet, um bei einem Quallen-, Seeigel- oder Petermännchenstich das richtige zu tun. 

Quallen

Quallen sind eigentlich wunderschöne Lebewesen.  Von einem halben Millimeter bis zu 2 m großen Exemplaren gibt es. Manche Leuchten und verlieren sie mal einen ihrer Arme, dann wächst er wieder nach…was ich ziemlich praktisch finde! Bei vielen Quallenarten ist der Kontakt mit Menschen völlig harmlos. Es gibt unzählige verschiedene Arten und immer werden noch neue entdeckt. Quallen gab es schon vor den Dinosauriern, (670 Millionen Jahre!!) und ohne Hirn und Herz, lebt es sich anscheinend ganz gut. 

Lange hat sich die Forschung nicht mit Quallen beschäftigt. Erst seit 15 Jahren, nachdem die Quallen vielerorts ganze Küstenstriche besiedelten und auch der Fischerei das Leben schwer machen, indem einige Fischarten bei einer Quallenplage sterben, wird die Qualle als Forschungsobjekt interessanter. Allerdings ist es nicht so einfach, denn sie sind empfindlich und sterben bei Versuchen recht schnell.

Übrigens: Eine Qualle ist kein Hund. Sie kann nicht beißen, auch wenn häufig von einem Quallenbiss die Rede ist 😉 

Ursachen Quallen

Forscher sind sich einig..die Menschen sind wie immer Schuld an dem vermehrten auftreten von Quallen.

  • Überfischung: Das Mittelmeer gilt als 62% überfischt, somit haben Quallen weniger Feinde und können sich viel einfacher vermehren. Da es weniger Fische gibt, haben Quallen auch viel mehr Nahrung für sich übrig.
  • Umweltverschmutzung: Die Meeresschildkröte ist ein natürlicher Feind von Quallen. Leider werden Meeresschildkröten immer weniger, was vor allem an der hohen Verschmutzung von Plastik liegt. Schildkröten können nicht unterscheiden ob dieses im Wasser treibende etwas nun eine Qualle oder ein Plastikstreifen ist. Durch das aufgenommene Plastik, sterben sie qualvoll.
  • Umweltverschmutzung die 2. : Quallen benötigen viel weniger Sauerstoff, als Fische. Ist das Meer nun verschmutzt durch Algen und Dreck kommen sie damit viel besser zurecht.
  • Klimawandel: Es wurde herausgefunden, dass viele Quallenarten bei wärmeren Temperaturen schneller wachsen und sich manche Arten mehr verbreiten.

Was tun, wenn eine Qualle zu nahe kam:

Wenn dann doch eine liebesbedürftige Qualle Körperkontakt sucht, sollte man einfach wissen, wie man danach richtig reagiert.

Nun findet man im Internet wahnsinnig viele Tipps und Vorgehensweisen, die häufig nichts nützen oder nur alles noch verschlimmern. Christie Wilcox von der  hawaiianischen Universität, hat Quallen und ihre Auswirkungen jahrelang erforscht und mit ihrem Team die Behandlungsmethoden, die im Internet kursieren, getestet. Hierbei wurden 2 verschiedene Würfelquallen untersucht und unterschiedliche Methoden, wie mit Essig oder Meerwasser abspülen, mit einer Kreditkarte abkratzen oder einfach abzupfen, angewendet. Auch wurde untersucht, ob der Schaden des Stiches mit Heiß- oder Kältepacks verringert wird.

Das Ergebnis ist eindeutig: Es wurde festgestellt, dass die häufigsten, empfohlenen Maßnahmen, die Schwere des Stichs sogar erhöhen. z.B. wenn man mit Meerwasser spült, die Tentakel abkratzt oder Kältepacks/Eis auf den Stich legt.

Bei dem ersten Stich wird weniger als 1% des Gifts in die Haut injiziert, je mehr man die noch vorhandenen Tentakel auf der Haut bewegt, kann die Kapseln aufplatzen lassen.  Das spülen mit Essig verringerte das Brennen der stechenden Zellen und das abnehmen der Tentakel mit einer Pinzette, führte zu einer geringeren Injektion des Giftes. Nach dem Stich soll man in jedem Fall eine Form von Hitze auf den Stich geben (heißes Wasser, Wärmepacks, Bite away*..) auf keinen Fall Kälte oder Eis. Kälte steigerte die Giftaktivität noch zusätzlich und hinterließ einen wesentlich größeren Schaden.

 
Spiegelei Qualle Kroatien
Spiegel Qualle Kroatien
  1. Im besten Fall mit Essig abspülen. Ich habe in einer kleinen Flasche Essig abgefüllt und bei Wanderungen zu einsamen Stränden immer dabei. Wenn kein Essig zur Hand, dann muss eben doch Meerwasser her. Auf keinen Fall mit Süßwasser, Alkohol oder Urin abspülen! Auch Rasierschaum oder Backpulver soll nicht helfen. 

Bei einem Quallenstich wird nur eine kleine Prozentzahl der Tentakelkapseln entladen, ihr habt also noch eine explosive Mischung auf eurer Haut. Essig hilft, damit diese Kapseln entladen werden und keinen weiteren Schaden verursachen.

2. Reste der Tentakel von der Haut entfernen. Am besten mit einer Pinzette. Viele sind der Meinung, dass Sand auf der Wunde sehr gut ist, dann einfach den Sand mit den Resten der Tentakel mit einer Kreditkarte o. ä. abschaben.  Die betroffene Haut nicht mit einem Handtuch etc. abreiben!

3. Die Stichstellen unbedingt mit heißem Wasser oder Wärmepackungen behandeln. Laut Christie Wilcox  sind Meeresgifte meistens hitzeempfindlich, daher ist Hitze viel besser bei einem Quallenstich.

4. Je nachdem, wie stark die Schmerzen sind, kann man  ein Schmerzmittel nehmen. Sollten die Schmerzen tatsächlich so stark sein, dass sie nicht vergehen oder andere Symptome, wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden etc. auftreten, dann unbedingt zum Arzt!

Was wir dabei haben:

Wir lieben es zu einsamen Stränden zu wandern oder mit dem Boot in Buchten zu ankern und dort zu schwimmen. Da gibt es im besten Fall keine anderen Menschen und auch kein heißes Wasser, Essig etc. Deswegen haben wir immer eine kleine Tasche in der auch der 17 cm lange Bite Away hineinpasst (sowas in der Art*)mit folgenden drei Dingen dabei:

Eine Pinzette

Bite Away* hilft super bei Mücken- Wespen-, Bienenstichen und auch bei Quallenstichen. 

Eine kleine Flasche mit Essig (hierzu habe ich einfach eine kleine Flasche, die ich zu Hause hatte, genommen). Die gibt es aber auch in allen erdenklichen ml zu kaufen. 

Qualle Korsika
Doofe Qualle an Michis Bauch

Qualle – gesund und kalorienarm

Jetzt auch mal was positives über Quallen: Aktuell ist es für die meisten Menschen noch eklig, eine Qualle als zukünftiges Nahrungsmittel zu sehen. In Ostasien sind bestimmte Quallenarten aber schon lange eine Delikatesse. Kalorienarm und Eiweißreich ist die Qualle. Auch hierzulande wird geforscht, ob und wie die Quallen in unseren Gefilden in Zukunft zubereitet werden können. Hier ein interessanter Artikel dazu: Forschung Quallen

Auch soll Quallenschleim Mikroplastik binden. Wir können also gespannt sein, was die Forschung in den nächsten Jahren herausfindet und wie nützlich Quallen tatsächlich sind. 

Achtung! Wer eine Qualle an Land liegen sieht, darf sie nicht anfassen. Die Tentakel sind noch immer mit Nesselkapseln gefüllt und brennen noch genauso. 

Seeigel 

Seeigel findet man fest an Felsen und  auf steinigen Untergründen.

Wenn das Wasser klar ist, sind sie gut sichtbar. Die meisten Seeigel, die man im Mittelmeer sieht, sind zwar schmerzhaft, aber ungiftig ( auch wenn einem gerne etwas anderes vorgegaukelt wird).

Wer beim schnorcheln Flossen trägt oder auch mit Badeschuhen ins Wasser geht, hat an den Füßen nichts zu befürchten. Bei den Badeschuhen sollte man darauf achten, dass nicht nur die Sohle und der Rand des Schuhs aus festem Material ist, sonst spießen sich die Stacheln durch den Stoff. z.B. so wie bei diesen Badeschuhen*

Auch hier hat es übrigens wieder Michi erwischt. Er ist mein persönliches Versuchskaninchen für alle nervigen Meeresbewohner 😉

Seeigel und Seestern
Seeigel und Seestern beide sind Stachelhäuter

Was tun wenn man in einen Seeigel getreten ist. 

  1. Stacheln entfernen! Leider können die Stacheln recht brüchig sein. Man sollte vorsichtig versuchen, sie mit einer Pinzette zu entfernen.
  2. Desinfizieren
  3. Die Stacheln sind aus Kalk und lösen sich in Verbindung mit Essig auf. Essig hilft also nicht nur bei Quallen, sondern auch hier.
  4. Sollten sich die Stacheln nicht lösen und unter der Haut feststecken, dann lieber zum Arzt und sie dort entfernen lassen.

Seeigel – eine Delikatesse

Ja, diese stacheligen „Biester“ sind in den südlichen Ländern eine Delikatesse…So trägt man auch ganz einfach selbst zur Dezimierung von Seeigeln bei 😉

Geöffnet werden die Seeigel mit einem speziellen Schneidwerkzeug (ist ähnlich einer Zange). Der Deckel wird abgetrennt und meistens direkt am Strand ausgeschlürft.  Für den Anfang ist ein kleiner Löffel empfehlenswert.

Verzehrt werden die Gonaden im inneren der Seeigel ( ich erzähle lieber nicht, was Gonaden sind ;)) Fälschlicherweise wird oft behauptet, dass nur die weiblichen Seeigel gegessen werden können. Dies ist allerdings nicht korrekt und es werden weibliche, wie auch männliche Seeigel gegessen. Im Mittelmeer kommt vor allem der schwarze Seeigel und der Steinseeigel vor. Beide können leicht miteinander verwechselt werden, da sie sehr dunkel sind. Die schwarzen Seeigel sind zum essen eher uninteressant, da die Gonaden sehr klein sind. Gegessen wird der Steinseeigel, bei dem viele Menschen denken, es handelt sich um einen weiblichen Seeigel. Das Geschlecht lässt sich bei Seeigeln nicht von außen erkennen.

Auf Korsika, Sardinien und Süditalien sieht man sehr häufig Einheimische und Urlauber am Strand, die Seeigel knacken. Wenn ihr auch mal probieren möchtet, dann traut euch und fragt einfach.

Seeigel Korsika
Aufgebrochene Seeigel..war anscheinend lecker 😉

Petermännchen

Zumindest davon blieben wir bisher verschont…dennoch ist es ratsam zu wissen, wie man bei einem Stich eines Petermännchens reagieren muss.

Ein Petermännchen ist ein Fisch, der sich zu bestimmten Jahreszeiten (vorzugsweise im Sommer, während der Hauptsaison) am flachen Gewässer im Sand eingräbt. 

Erst als wir beim schnorcheln in Kroatien, einige Petermännchen sahen, informierte ich mich, was nach einem Stich eines Petermännchens zu tun ist.

Übrigens können auch hier Badeschuhe mit fester Sohle (nicht zu biegsam!) einen Stich verhindern. 

Was tun nach einem Stich

Der Stachel des Petermännchens kann schmerzhaft sein. Wichtig ist, den Stachel entfernen (falls er in der Haut steckt), dann heißes Wasser direkt nach dem Stich über die Stelle zu geben. Wir haben grundsätzlich den Bite Away*, (für die Verwendung bei Mücken- und Wespenstichen) dabei. Dieser erhitzt sich bis 50° C und zersetzt damit das Gift. Hilft auch bei einem Petermännchen-Stich und kann einfach mitgenommen werden, denn heißes Wasser hat man nicht überall dabei).

Bei einem Stich des Petermännchens sollte man nach den Sofortmaßnahmen einen Arzt aufsuchen.

Muräne auf Korsika
Muräne auf Korsika, tagsüber außerhalb der Felsspalte. Sie greift nicht an, wenn man sie nicht ärgert und Abstand hält.

Fazit

Im Grunde benötigt man nur 3 Dinge um Sofort Maßnahmen bei Seeigeln, Quallen oder Petermännchen ergreifen zu können. Das wären eine Pinzette, ein Bite Away und ein Fläschchen mit Essig. Es schadet nicht, diese Dinge dabei zu haben, gerade wenn Kinder mit euch unterwegs sind.

Es kostet nicht viel, denn Pinzette und Essig hat man in der Regel zu Hause und der Bite Away ist mit ca 23 € eine sinnvolle Anschaffung, da er perfekt den Juckreiz bei Mückenstichen verschwinden lässt. Wir sind richtig begeistert davon.

Und selbstverständlich gilt: Im Zweifel geht lieber einmal mehr zu einem Arzt!! Bei Kreislaufproblemen, Erbrechen oder anderen allergischen Reaktionen sollte dies unverzüglich geschehen.


Und hier der oben erwähnte Beitrag über Korsika und Michis erster Quallenbegegnung. Da gab es noch nicht mal den Bite Away 😉

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Quellen

Quallen als Nahrung – Interview Geomar

Hawaii Wilcox Studie

Wie öffnet und isst man Seeigel

Jasmin

Hello ihr Reisenden, Individualisten, Bullifahrer, Camper...ich bin Jasmin und liebe das Leben und die Freiheit. ...am liebsten mit Michi in unserem VW T3 ;) Auf unserem Blog erzählen wir euch von unseren Erlebnissen unterwegs, geben Reisetipps und der VW T3 kommt natürlich auch nicht zu kurz.

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