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Reisebericht – Sizilien mit dem VW T3 (1/2)

Es haben schon einige von euch gefragt, wann es endlich Beiträge zu unserem Sizilien-Trip gibt. Ehrlich gesagt, durften wir innerhalb 2 Wochen so viel auf Sizilien erleben, dass wir es danach erstmal sacken lassen und für uns sortieren mussten. Alles war schon fast zu perfekt 😉 Wir hatten von Beginn an, also ab dem Ablegen der Fähre, bis zum Verlassen der Insel, eine ganz tolle Zeit. Ich glaube, wir hatten auch wahnsinnig viel Glück, denn es ist mit Sicherheit sonst viel mehr los und normalerweise sind die Strände sehr voll. Auch der Ätna bricht nicht beliebig oft aus, hat dies aber genau dann getan, als wir auf dem Vulkan standen.

Unsere Route durch Sizilien

Hier könnt ihr unsere Route sehen. Von Savoca sind wir am Ende noch zur Alcantara Schlucht und von dort weiter nach Messina und mit der Fähre zurück auf das Festland nach Kalabrien. Unsere Reise war dort bei Weitem nicht zu Ende und ging noch weiter… wir querten Süditalien um in Brindisi mit der dritten Fähre in diesem Urlaub nach Igoumenitsa in Griechenland überzusetzen und um von dort aus auf dem Balkan-Landweg über Albanien, Montenegro und Kroatien zurück nach DE zu gondeln. Hier in diesem Beitrag geht es aber nur um unsere Route durch Sizilien.

Übrigens wird es noch einige weitere Berichte über Sizilien geben, in denen wir euch die verschiedenen Orte, Sehenswürdigkeiten und Strände genau vorstellen werden.

Hier gibt es den ersten Teil mit Ankunft in Palermo und Weiterfahrt bis Agrigent.

Mit der Sizilien GNV Fähre von Genua nach Palermo

Bis 2 Wochen vor Abfahrt waren wir uns nicht sicher, ob wir wieder auf dem Landweg nach Süditalien fahren oder doch die Fähre nehmen. Die Entscheidung fiel letztendlich bei Gegenüberstellung der Kosten. Wenn man die Maut und den Diesel für den VW T3 etc. zusammenrechnete, kamen wir mit der Fähre (ohne Kabine) ungefähr auch auf ähnliche Kosten. Wir buchten die Hinfahrt mit GNV.

Am Tag der Abfahrt kamen wir Abends am Fährhafen in Genua an. Wir sind mittlerweile schon über 30x mit verschiedensten Fähren quer durch Europa geschippert, deshalb ist dies schon fast Routine. Die Fähre sollte um 23 Uhr ablegen, 3 Std. vorher begann der Check in, zu diesem Zeitpunkt solle man im Hafen sein. Wir waren schon ziemlich früh, um ca. 19 Uhr am Fährhafen angekommen und reihten uns in die schon beachtlich lange Schlange der Fahrzeuge. Die Einschiffung der letzten Fahrzeuge verzögerte sich dann noch aufgrund eines medizinischen Notfalls an Bord und wir legten ca. gegen 0:30 Uhr in Genua ab.

Wir hatten keine Kabine gebucht, nur einen Pullman Sitz. (Immerhin, wir hatten schon einige Fähren, da war selbst kein Sitz mehr verfügbar). Beleuchtet wurde der Raum mit einem extrem nervigen blauen Licht, deshalb packten wir unsere Kissen und Decken und fanden in einem Flur bzw. Treppenhaus, einen abgelegenen Platz auf dem Boden unter der Treppe. Mit Blick aus den großen Fenstern die vom Boden bis zur Decke reichten schliefen wir ein.

Früh am nächsten Morgen kitzelten uns die Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne an der Nase. Ich ging nach draußen und schaute aufs Meer und traute meinen Augen nicht. Eine Delphinschule sprang mehrere Minuten hinter der Fähre aus dem Wasser.

Während der insgesamt 32 stündigen Fahrt, haben wir 6 Delphinschulen und über 30 (!) Meeresschildkröten gesehen. Im nachhinein fanden wir heraus, dass es gerade die Zeit war, in der die Schildkröten an ihren Strand zur Eierablage ziehen. Wir habe scheinbar mehrmals diese Routen gequert. Es war unglaublich und zum Ersten Mal wollten wir eigentlich nicht, dass diese Fahrt endet.

Ankunft in Palermo

Wir kamen kurz vor Sonnenuntergang in Palermo an. Der erste Eindruck auf die Stadt war wild. Wirklich überall lag Müll, in Mengen, die wir so noch nicht mal aus Neapel oder Albanien kannten. Alle Autofahrer waren wild am hupen als ob ihr Leben davon abhängen würde. Was mittlerweile auf dem italienischen Festland so gut wie nicht mehr vorkommt, wird hier noch immer mit voller Leidenschaft praktiziert 😉 Die Sizilianer pflegen definitiv zu großen Teilen einen eher emotional beeinflussten Fahrstil. Wenn man sich mal daran gewöhnt hat, hat man Spaß und kann selbst mal seinen Emotionen freien Lauf lassen 😀

Seid ihr schon in Neapel oder Rom überfordert, dann fahrt lieber nicht in eine sizilianische Großstadt. Palermo besteht aus unzähligen Einbahnstraßen. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir aus dem Einbahnstraßengewirr von Palermo herausfanden. Hört sich im ersten Moment vielleicht etwas schwierig an, aber nach einer Viertelstunde hatte Palermo auch unser Herz erobert!

Erster Eindruck: Sizilien wirkt wie das Italien vor rund 20 Jahren und wir sind sofort schockverliebt!

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San Vito lo Capo

Es wurde schon dunkel, als wir durch Zufall in San Vito lo Capo ankamen. Wir hatten vor unserer Reise nicht viel geplant oder uns mehr mit der Insel beschäftigt, sondern wollten es auf uns zukommen lassen und flexibel bleiben. So suchten wir erst bei Ankunft einen Übernachtungsplatz und stellten fest, dass Sizilien sehr stark bebaut ist. Auf Google Maps sah San Vito lo Capo recht leer aus und es gab einige Strände. Weit weg von Palermo ist es auch nicht. Erst später stellten wir fest, dass dies ein sehr beliebter Spot für Camper ist, der mittlerweile aber auch teilweise stark kontrolliert wird.

Wir kamen nachts an und es standen an der Küste vereinzelt Camper, aber wir fanden entfernt einen ruhigen Schlafplatz, den wir für uns alleine hatten.

Wir blieben 2 Nächte und an den Tagen erkundeten wir die Umgebung. Wanderten zur Grotta dei Cavalli, entdeckten viele Offroad-Pisten und perfekte Übernachtungsmöglichkeiten und landeten in einer Bäckerei mit den besten Vanille-Cornetti.

San Vito lo Capo hat einen wunderschönen Strand, ein cooles Streetart-Festival und ein berühmtes Couscous Fest. Da Sizilien in den letzten Jahrhunderten vielen verschiedenen Einflüssen ausgesetzt war, sieht man hier afrikanisch anmutende Dörfer, griechische Tempelanlagen und orientalische Gerichte. Diesen Baustil der Häuser haben wir in ganz Italien zuvor noch nie erlebt.

Verlassene Dörfer auf Sizilien

1968 bebte die Erde im Tal um „Valle del Belice“. Mit viel Kraft zerstörte dieses geschichtsträchtige Erdbeben komplette Dörfer und hinterließ nur noch Trümmer. Einige Dörfer wurden etwas entfernt neu aufgebaut und das ursprüngliche Dorf ließ man verfallen.

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Geisterstadt Poggioreale

An unserem dritten Tag an der Küste, wollten wir weiter zu den verlassenen Dörfern im Landesinneren. Vor allem die Ruinen von Poggioreale haben es uns angetan. Wir fuhren vorbei an einem beeindruckenden Marmorsteinbruch und durch viele Weinberge und landwirtschaftlichen Regionen. Wir machten einen Halt bei den Thermalquellen von Segestane und auch hier, ähnlich wie in Saturnia gibt es neben der kostenpflichtigen Therme, auch ein Becken, dass versteckt im Wald, kostenlos besucht werden kann.

Auffällig war hier die große Ansammlung von Hütehunden. Außer mit den unzähligen sehr freundlichen Straßenhunden zum Beispiel in Albanien, hatten wir noch nicht viele Berührungspunkte mit diesen frei laufenden Zeitgenossen. In dieser ländlich, hügeligen Gegend gibt es sehr viele Hunde, die früher auf Haus und Hof aufpassten und dann einfach nicht mehr gebraucht wurden, bzw. die noch sehr pflichtbewusst ihrem Wachdienst nachkommen. Es wird einem etwas anders, wenn diese zum Teil sehr großen Hunde wild bellend auf einen zurasen oder plötzlich knurrend aus dem Gebüsch kommen. So extrem haben wir es aber auch nur in dieser Gegend erlebt.

An den Ruinen von Poggioreale mussten wir feststellen, dass die Stadt versperrt ist. Ein Zugang nur im Rahmen einer Führung möglich, allerdings fanden wir auch keine Kontaktdaten. Im Internet standen einige die über den vergitterten Zaun stiegen bzw. anderweitig in den Ort kamen. Grundsätzlich geht es, aber es gibt eine Videoüberwachung und auch hier sind einige Hunde, die zum Teil nicht sehr freundlich aussahen. Poggioreale kam in die Schlagzeilen, da der Bürgermeister gerne Touristen anziehen wollte, die Geld in die Ruinen investieren.

Es gibt allerdings noch andere verlassene Orte im Valle del Belice. Eines davon ist Gibellina.

Gibellina – Ein sizilianisches Dorf begraben unter Beton

Gibellina wurde im 14.Jahrhundert erbaut und gleichwohl 1968 vom Erdbeben zerstört und nicht wieder aufgebaut. Heute liegt Gibellina unter Beton begraben. Ein Mahnmal, dass ihr begehen könnt und ein beklemmendes Gefühl hinterlässt. Der italienische Künstler Alberto Burri hat die Szene in den 80er Jahren errichtet. Die einzelnen Häuser und Gassen sind unter Beton begraben und ihr seht quasi die alte Stadt gegossen in Betonquader.

Wir haben auf Sizilien noch einige spektakuläre Lost Places gefunden. Einen verlassenen Bahnhof und weitere verlassene Dörfer etc.

Eigentlich wollten wir in dieser Region irgendwo in der Abgeschiedenheit übernachten, allerdings war es einfach nicht möglich, denn immer wenn wir uns für unseren Geschmack passend hinstellten, kam in einem hohen Tempo ein laut bellender Hund angerannt und sprang an unserem Fenster hoch oder folgte unserem Bus. Wir kapitulierten und kamen kurz vor Mitternacht an der Küste an die wir als einfacheren Übernachtungsplatz einschätzten.

Gibbelina Betpn Sizilien VW T3
Gibbelina

Scala dei Turchi – Die Türkentreppe

Wir fuhren an der Küste entlang und hielten an einigen schönen Stränden. Viele der Sandstrände waren mit unserem Bus befahrbar. An einem Strand kauften wir überteuerten Fisch von einem rollenden Fischhändler der uns mit seiner fröhlichen Mentalität und viel Geschick genauso wie den Fisch einwickelte . Auffällig ist, dass es auf Sizilien so gut wie keine ausgeschriebenen Preise gibt. Ihr solltet im Vorfeld schon wissen, was ihr bezahlen möchtet bzw. nach dem Preis fragen, damit ihr dann nicht überrascht seid. Hier werden die Preise häufig noch nach Sympathie und Herkunft gewürfelt.

Am späten Nachmittag kamen wir an der Scala dei Turchi (der Türkentreppe) an. Der weiße Felsen sieht aus wie eine Treppe und ist Unesco Weltkulturerbe. Seit einiger Zeit darf er nicht mehr betreten werden, was viele allerdings nicht davon abhält, Schlupflöcher durch den Zaun zu finden. Auch wenn es verlockend ist… Man sollte es lassen und sich lieber die Felsen am besten vom oberen Aussichtspunkt ansehen. Wenn die Sonne langsam Richtung Meer zieht, habt ihr von oben einen tollen Blick auf die golden schimmernden Felsen.

Für wenig Geld könnt ihr unten am Strand parken und zu Fuß in die Nähe der Felsformation laufen. Den besten Ausblick habt ihr allerdings von oben, parken, sofern man einen Platz ergattert, und die Aussichtsplateaus kosten nichts.

Schönster Sonnenuntergang auf Sizilien

Den schönsten Sonnenuntergang hatten wir am Punta Bianca, Das Naturschutzgebiet hat genauso weiße, aber etwas kleinere Felsen als die Scala dei Turchi. Ein holpriger Weg oberhalb der Klippen führt zu Punta Bianca. Achtung, diese Piste benötigt Bodenfreiheit. Parkmöglichkeiten gibt es kostenlos. Vom Parkplatz mit bester Aussicht, könnt ihr nach unten zum Strand und den weißen Felsen laufen.

Einheimische mit ihren 4×4 Fiat Panda holpern auch bis zum Strand.

Sonnenuntergang Punta Bianca Agrigent VW T3 Sizilien
Sonnenuntergang Punta Bianca

Einsam am Strand in der Umgebung von Agrigent

Die meisten Campingplätze sind noch geschlossen. Wir haben uns über Maps eine sehr abgelegene Bucht ausgesucht und fahren nach dem Sonnenuntergang auf Punta Bianca, in der Dunkelheit dorthin. Der Weg zum Strand führt über mit Schlaglöchern übersäte Pisten, es geht steil bergab, dann wieder bergauf… plötzlich wieder eine kleine Enge Siedlung und dann wieder Piste. Viele km lang. Es war stockdunkel, was diese Fahrt nicht leichter machte. Die Straße kurz vor dem ersten Platz war aufgrund tiefer Auswaschungen nicht mehr passierbar und so ging es wieder viele km auf den Pisten bergauf und bergab bis zu einer anderen Bucht. Schon im Scheinwerferlicht wirkte sie so einsam und abgelegen… unser absoluter Traum.

Nachts leuchten hunderte Augen

Im dunkeln sahen wir schwarze „Knäule“ den Strand entlangrasen. Wir dachten zuerst an Straßenhunde, aber in dieser Gegend sahen wir bisher keinen einzigen Hund, dafür viele Katzen. Aber für Katzen waren sie zu groß. Michi machte noch ein paar Fotos von der Milchstraße und plötzlich rast so ein schwarzes Fellbüschel auf ihn zu, blieb kurz vor ihm stehen und starrte ihn an. Dann drehte es wieder um und raste zum Strand und zurück in die hügelige Landschaft. Leicht durchgeknallt waren die Knäule schon unterwegs. Als wir mit der Taschenlampe hinter uns den Berg ableuchteten, sahen wir überall Augen leuchten…was ehrlich gesagt, ein wenig gruselig war.

San Vito lo Capo Sizilien VW T3
In der Umgebung von San Vito lo Capo

Am nächsten Morgen strahlte die Sonne auf „unsere“ Strandbucht. Einsam lag sie da, der Sand war in Wellen, als wenn seit langer Zeit niemand hier vorbeigekommen wäre. Am Strand fanden wir die Fußspuren der Tiere vom gestrigen Abend. Wir wissen bis heute nicht, was es war. Wir blieben 2 Tage in dieser abgelegenen Bucht. Dann kam der Sonntag und um 8 Uhr morgens die ersten 4×4 Fiat Pandas bepackt mit Kindern, Omas, Luftmatratzen und viel Essen und uns war klar, diese Bucht ist nur unter der Woche leer…

Wie unsere Reise weiter geht, erfahrt ihr nächste Woche im zweiten Teil. Bis dahin könnt ihr auch noch in den anderen Italien Beiträgen stöbern….

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Jasmin

Hello ihr Reisenden, Individualisten, Bullifahrer, Camper...wir sind Jasmin und Michi und unterwegs mit unserem Eisbär, einem VW T3 California. Auf unserem Blog erzählen wir euch von unseren Erlebnissen unterwegs, geben Reisetipps und der VW T3 kommt natürlich auch nicht zu kurz.

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