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Lost Place Mafia Villen auf Sizilien

Von den Geister-Villen in Palermo, die ursprünglich von der Mafia erbaut wurden, haben wir schon vor 10 Jahren das erste Mal gehört und jetzt auf unserer letzten Sizilien Reise, wollten wir die Gelegenheit nutzen und den verlassenen Mafia-Villen einen Besuch abstatten.

Über die Geschichten der Mafia-Villen ist zwar schon sehr viel bekannt, aber es wird auch heute noch einiges darüber berichtet, denn die Geschichte ist auch über 40 Jahre später, noch lange nicht vorbei…

Lost Place Mafia-Villen auf Sizilien

Vor einem Tag sind wir Nachts auf Sizilien angekommen. Nicht das erste Mal, aber bei dieser Reise wollen wir endlich zu den verlassenen Mafia-Villen bei Palermo. Diese liegen zwischen dem Küstenort Mondello und Sferracavallo. Wir wachen auf mit Blick auf Pizzo Sella ( Was übersetzt „Sattelspitze“ bedeutet). Hier in Palermo, wird der Hügel mit den Skeletten der 170 Villen nur „La collina del disonore“ gennant. Der „Hügel der Schande“ genannt.

palermo verlassene Geister Villen von der Mafia Lost Places

1978 begann die Geschichte dieses heutigen Lost Places

Wie alles begann: 1978 wurde eine Baugnehmigung erteilt, die zum Bau von 174 Villen (Baugnehmigungen wurden für 300 vergeben) führte. Das Gebiet war aber geologisch gefährdet und stand unter Naturschutz. Stadtverwaltung und kriminelle Machenschaften von Mitgliedern der Cosa Nostra, schafften es aber dennoch den Hügel anderweitig zu planen. Pizzo Sella gehört zum Naturschutzgebiet von Monte Gallo. Ein Bau hätte also nicht genehmigt werden dürfen. Eigentümerin des Bauunternehmens Sicilcalce Spa war Rosa Greco, die Schwester des Mafiabosses Michele Greco und Ehefrau von Andrea Notaro. Zwischen 1978 und 1984 wurden 300 Baugnehmigungen vergeben.

Die Villen sollten für die Mitglieder der Cosa Nostra, aber auch deren Freunde gebaut werden. Häuser waren immer eine gute Möglichkeit für Geldwäsche. Übrigens wurden noch zwischen 1994 und 1999 235.000 neue Schwarzbauten errichtet.

Dass so viele der über 170 Villen nicht bewohnt bzw. nicht weiter ausgebaut wurden, liegt an der Anti-Mafia-Bewegung. Nach den ersten großen Verurteilungen von Mafiosi, gerät auch Pizzo Sella ins Visier und es gibt jahrelange Prozesse.

1984 wird der Bau gestoppt

Mittlerweile waren 174 Gebäude fertig gestellt und der Hügel auch von Weitem gut sichtbar mit Gebäuden bedeckt, kam es zu einer anonymen Anzeige. 1984 gab es den ersten Bericht der Carabineri, der den Skandal aufdeckte. Der weitere Bau wurde eingestellt. Die später auch durch Verurteilungen bestätigten Verbrechen, reichten von Amtsmissbrauch bis hin zu Korruption. In sie verwickelt waren der damalige Stadtrat Salvatore Mantione, Andrea Notaro (Ehemann von Rosa Greco), der Designer Cancila und zwei Beamte der Stadt Palermo, Francesco Feo und Antonino Rizzuto.

Gleichzeitig wurde ein zweiter Prozess gegen die Ferruzzi-Gruppe eröffnet, die die Villen 1983 erworben und den Auftrag erhalten hatte. Lorenzo Panvolta, Manager der Ferruzzi-Gruppe, wurde zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt.

Nicht jeder der Hausbesitzer waren Mitglieder der Mafia oder dessen Freunde. Es gab auch Eigentümer die im guten Glauben der Rechtmäßigkeit, ein Grundstück erworben hatten.

Mafia villen verlassen lost place palermo
Blick auf Palermo

1997 wurde dann das ganze Gebiet beschlagnahmt.

Bau der Villen

Schon an den Haus-Skeletten erkennt man die Einzigartigkeit der einzelnen Villen. Kein 0815 Bau. Für den Entwurf der Villen, sollen deutsche Architektur-Studenten verantwortlich sein. Sie bekamen laut einer Reportage einen kostenlosen Urlaub in Palermo und dafür entwarfen die Studenten dann jede der Villen.

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1999 Abriss der Villen oder doch nicht?!

Die Villen sollten ab 1999 abgerissen werden. Damals lebten noch 70 Familien illegal dort, aber nach nur 14 abgerissenen Villen, scheiterte es dann. An was? Das ist nicht ganz sicher. Wahrscheinlich ein Mix aus den hohen Kosten für den Abtransport, der massiven Bauweise und dem unwegigem Gelände. Es gibt unterschiedliche Angaben der abgerissenen Häuser

Es ist aber eh fraglich ob es sinnvoll ist, alles abzureißen und dann wieder einen neuen Schuttberg zu produzieren. Da ist es doch besser die beschlagnahmten Bauten, sozialen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, wie das auch schon häufig bei anderen Mafia- Beschlagnahmungen gemacht wird.

PIZZO SELLA ART VILLAGE

Gegründet im Jahr 2009 in Palermo, ist das Künstlerkollektiv „Fare Ala“ das Ergebnis der Begegnung verschiedener kreativer Köpfe. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, einen offenen Raum für Diskussionen zu schaffen, in dem die Verbindung zwischen künstlerischer Praxis und den sozialen, sowie politischen Aspekten des urbanen Raums im Mittelpunkt stehen.

2013 gründete das Künstlerkollektiv Fare Ala das Pizzo Sella Art Village und erstellte ein YouTube Video, eine Website, sowie weitere Social Media Accounts. Pizzo Sella wurde dort als 5 Sterne Luxusurlaubsort mit einer sensationellen Kunstgalerie gezeigt. Alles natürlich ironisch, aber es zog die gewünschte Aufmerksamkeit auf sich. Street Art Künstler kamen und bemalten die Häuser.

Bei z.B. Trip Advisor sieht man einige Bewertungen, dass alles privat ist und das Kunstmuseum geschlossen wurde. Da wurde was falsch verstanden, denn es gab nie eine offizielle Galerie oder Kunstmuseum. Fare Ala wollten die traurige Geschichte diesen Ortes an die Öffentlichkeit bringen und Pizzo Sella wieder für alle zugänglich machen. Vor allem sollte auf die Umweltzerstörung aufmerksam gemacht werden.

Ein weiteres Projekt von Fare Ala, ist z.B. auch „Welcome to Palermo – Vamos a la playa“. Hier geht es um die Zementskelette am Strand von Carini. Dieser liegt zwischen Palermo und dem Flughafen.

Street Art Artist aus aller Welt haben sich mittlerweile in den leerstehenden Häusern verewigt. Für alle soll sichtbar werden, dass dieses Viertel nicht der Mafia gehört! Wer sich etwas auskennt, der findet auch Werke von Ema Jons, Exit/Enter, Collettivo FX oder Nemo´s.

Welcome Pizzo Sella Village
Welcome Pizzo Sella Village

Von der Polizei aufgegriffen

2016 wurden einige Künstler in 3 der Häusern von der Polizei aufgegriffen, nachdem Anwohner und der Hausmeister diese informierten. Der Vorwurf war Sachbeschädigung auf einem beschlagnahmten Grundstück. Dieser Vorfall stoppte das Art Village allerdings nicht, sondern das Gegenteil war der Fall. Dadurch wurde das Projekt nur noch bekannter und auch heute reisen Street Art Künstler auf den Hügel um sich in einem der verlassenen Häuser zu verewigen.

Street Art Mafia Villen Palermo sizilien lost place

Geister-Villen mit Pool 2010

170 Häuser die nie bewohnt wurden. Stimmt so eigentlich nicht, denn einige der Häuser wurden komplett ausgebaut und sind heute bewohnt. Dort steht dann auch ein nagelneuer Luxus-Benz vor der Tür, Wachhunde bellen…alles zeigt, dass hier niemand fremdes erwünscht ist.

2010 wurden 14 Villen ihren privaten Eigentümern zurück gegeben. Die Käufer wussten zum Zeitpunkt des Kaufes wohl nicht, dass die Villen nur zum Zweck der Geldwäsche gebaut wurden. So die Begründung des Urteils.

Nach 15 Jahren durften nun einige der Besitzer auf den Hügel zurückkehren und in ihren Häusern leben. Das sorgt bei vielen für gemischte Gefühle. Denn letztlich wurden diese Häuser illegal errichtet und eine Baugenehmigung hätte damals eigentlich gar nicht erteilt werden dürfen. Es besteht auch die Befürchtung, dass nun bei anderen ähnlichen Fällen die gleiche Begründung – nämlich Unwissenheit – angeführt wird, um den Kauf eines illegalen Baus zu rechtfertigen.

Privater Zugang mit Wachmann und Schranke – Heute!

Wenn ihr jetzt denkt, einfach mal in eurem nächsten Sizilien Urlaub hier vorbei zu fahren, dann macht euch auf einige Anstrengungen gefasst. Die einzige asphaltierte Straße die auf dem Berg führt, ist durch eine Schranke versperrt. Ein Wachmann entscheidet über die Öffnung der Schranke und Durchfahrt zu den Villen. Der Posten ist 24/7 besetzt. Nur wenn ihr persönlich angemeldet seid, kommt ihr hier durch. Die Straße führt zum aktuell bewohnten Teil von Pizzo Sella und zu den oberen Häusern.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit. Wenn ihr zu den Häusern möchtet, müsst ihr auf die andere Seite des Hügels und dort hinauf wandern, dann über eine Mauer steigen und weiter geht es steil nach oben. Der Weg ist ziemlich anstrengend, aber schon der Ausblick über Palermo lohnt sich.

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Steiler Aufstieg zu den Villen

Die Wege und Straßen, die zu den einzelnen Häusern führten, sind heute nicht mehr sichtbar. Die Natur hat sich vieles zurückerobert, und die ursprünglichen Pfade sind größtenteils verschwunden.

Die unteren Villen sind stark frequentiert. Viele Besucher nutzen die ausgetretenen Wege, die gut erkennbar sind. Bei unserem Aufenthalt im März, waren innerhalb nur einer Stunde bereits sieben andere Menschen vor Ort – dass Interesse ist groß.

Es gibt Villen, die nie fertig gestellt werden konnten, sowie einige, die bereits fertig gebaut sind und noch mit einigen Gegenständen ausgestattet sind. Die meisten der Häuser sind aber leer.

Buddhistisches Zentrum inmitten der Geister Villen

Mitten in den bewohnten Luxushäusern, befindet sich ein buddhistisches Zentrum. Die Stadt Palermo hat vor einigen Jahren dem Zentrum die beschlagnahmte Villa zur Verfügung gestellt. Dort finden Kurse und Lehrgänge statt. Ein Besuch ist übrigens auch hier, nur mit vorheriger Anmeldung möglich.

Wie geht es weiter

Was bringt die Zukunft am Pizzo Sella? Das ist ungewiss. Für die Künstler bleibt die Gestaltung der leeren Villen weiterhin illegal und Genehmigungen werden wohl nur selten vergeben. Es gibt die bewohnten Häuser, die mit einer Schranke und Wachmann gesichert sind und die leerstehenden, auf der anderen Seite des Hügels. Diesen Ort zu finden ist nicht sonderlich schwierig, findet ihr einfach auf z.B. Maps.

Viele Infos zum Pizzo Sella Art Village und auch zu den anderen Projekten des Kollektivs, erhaltet ihr auf den Seiten von Fare Ala.

Noch ein paar Infos zu diesem Beitrag: Die Zahlen der Villen, Beschlagnahmungen und auch wie viele Häuser abgerissen wurden, unterscheiden sich sehr. In manchen Berichten ist von 170 Villen die Rede, in anderen sind es knapp 250 Häuser. Auch wie viele Häuser abgerissen wurden, unterscheidet sich je nach Quelle. Mal war es keins, dann wieder 5 oder 14 Häuser. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass den meisten Sizilianern die Zahl nicht so wichtig ist. Dass eigentliche Problem ist die Umweltzerstörung. Für die geschichtlichen Fakten in diesem Beitrag, hab ich überwiegend die Angaben von Fare Ala, sowie aus sizilianischen Zeitungen übernommen.

Quellen (auf italienisch)

Beschlagnahmung gestoppt Siciliana Giornale

Häuser zurückgegeben an Eigentümer

Abriss Häuser

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Hello ihr Reisenden, Individualisten, Bulli-Fahrer, Camper...wir sind Jasmin und Michi, seit 2006 zusammen und genau so lange reisen wir schon in unserem Eisbär, einem VW T3. Wenn wir nicht gerade unterwegs sind, rettet Michi Menschen und schraubt am restlichen Bulli-Fuhrpark und Jasmin werkelt, malt und schmiedet neue Reisepläne. Treffen könnt ihr uns bei den Polarlichtern in Lappland, in der Wüste oder unter der Erde Sloweniens, immer genau da wo es Abenteuer gibt. Unser T3 hat mit seinen knapp 500.000 km schon einiges erlebt und über diese Erlebnisse erzählen wir euch auf unserem Blog. Außerdem erhaltet ihr hier viele Reisetipps und Themen rund um den VW T3 kommen natürlich auch nicht zu kurz.

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