Frisch zurück aus Rumänien, nehmen wir euch heute mit an einen Ort, der unter die Haut geht. Zwischen grünen Hügeln und leuchtend orangem Wasser liegt Geamăna – ein Dorf, das nicht mehr wirklich da ist und doch mehr erzählt als so manch lebendiger Ort. Kommt mit uns zu einem der traurigsten und gleichzeitig eindrucksvollsten Orte Rumäniens: dem versunkenen Dorf Geamăna.
Was und Wo ist Geamăna ?
Einst lag Geamăna idyllisch eingebettet im Apuseni-Gebirge, im rumänischen Kreis Alba, mitten im Herzen Siebenbürgens. Das abgelegene Tal war geprägt von traditionellen Holzhäusern mit kunstvoll geschnitzten Fassaden, umgeben von dichten Wäldern, rauschenden Flüssen und der Stille der Berge.
Doch alles änderte sich im Jahr 1978. Damals wurde im Apuseni-Gebirge eines der größten Kupfervorkommen Europas entdeckt – das größte in ganz Rumänien. Nicolae Ceaușescu, der damalige Staatschef, ließ keine Zeit verstreichen und ordnete den Bau der Kupfermine Roșia Poieni an – ein gigantischer Bergbau, der bis heute aktiv ist.
Mit der Kupfergewinnung begann jedoch nicht nur ein wirtschaftliches Kapitel, sondern auch eine Tragödie: die schleichende Zerstörung von Geamăna – ein Ort, der langsam im giftigen Schlamm versank.
Reise in die Vergangenheit – Bevor das Dorf ein Lost Place wurde
Geamăna war einst ein lebendiges Dorf mit rund 1.000 Einwohnern aus etwa 400 Familien. Heute liegt der Ort unter einer zähen, giftigen Schlammmasse begraben – Überbleibsel aus dem Kupferabbau der nahegelegenen Mine Roșia Poieni.
1978 entschied das kommunistische Regime unter Nicolae Ceaușescu, das Tal von Geamăna in ein Auffangbecken für Giftmüll zu verwandeln. Die Evakuierung der Bevölkerung erfolgte jedoch nicht sofort – erst ab 1986 begannen die Behörden, die Menschen unter falschen Versprechen aus ihren Häusern zu locken.
Man versprach Reichtum, neue Häuser, ein besseres Leben. Doch die Realität sah anders aus: Die Vertriebenen erhielten ein kleines Stück Land und etwas Geld – und wurden statt der angekündigten sieben Kilometer ganze, hundert Kilometer weit weg umgesiedelt.
Einige Familien, deren Häuser höher am Hang lagen, durften zunächst bleiben. Doch Jahr für Jahr kroch die orange-graue Brühe weiter den Hang hinauf, und mit ihr kam der Zwang: Wer noch dort lebte, musste weiter hinaufziehen – weg von dem stetig wachsenden See aus Abfall und Gift.

Bergbau und Kupfer- und Erzgewinnung Mine Roșia Poieni
Heutzutage ist alles zu einem See geworden, der jährlich zwischen 90 und 100 Zentimeter wächst. Das gesamte Wasser ist in drei Zonen unterteilt: eine schlammige Zone, in der die Rohre alle schädlichen Substanzen freisetzen, einen Bereich mit türkisfarbenem Wasser und einen Bereich mit orangerotem Wasser.
Das aus den Minen gewonnene Kupfer und Erz wird in immer kleinere Stücke zerkleinert, wodurch ein Pulver entsteht, das mit Wasser vermischt einen ziemlich dicken Schlamm bildet. Der Prozess wird fortgesetzt und Cyanid und andere Substanzen werden hinzugefügt, die das Gestein „auflösen“ und das Kupfer abtrennen. Schließlich wird das Kupfer durch Elektrolyse aus der entstandenen Flüssigkeit extrahiert und Kupfersulfat und Schwefelsäure hinzugefügt.
Aus den geformten Edelmetallen werden die modernen Werkzeuge hergestellt, die wir heute verwenden: Smartphones, Computer, Elektromotoren usw.
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Bau des Staudamms
Ceaușescu machte sich keine allzu großen Sorgen um die Restflüssigkeit und entschied, das unten liegendeTal als Lagerstätte zu nutzen. Nach dem Bau eines Staudamms begann die giftige Flüssigkeit in das Tal zu fließen, in dem das Dorf Geamăna liegt.
So verwandelte sich das Dorf schließlich in einen Abraumhaldenteich und wurde mit Abraumhalden bedeckt. Die etwa 1.000 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen und im Laufe der Jahre wurde das gesamte Dorf überflutet.
Im Jahr 2023 stellten Unternehmensvertreter ein neues Projekt zur Erhöhung des Damms vor, damit der Teich noch mehr Abraum aufnehmen kann. Der weitere Betrieb des Bergbaus und die über 600 Arbeitsplätze hängen von dieser Investition ab. Das Projekt steckte zumindest noch Ende 2023 in der Phase der Umweltgenehmigungserteilung fest. Cupru Min konnte keine ausreichenden Garantien für die Stabilität und Festigkeit des um fünf Meter erhöhten Staudamms vorlegen.
Nur noch die Spitze des Kirchturms ist zu sehen
Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis die giftige Mischung, den Ort verschlungen hatte. Langsam, Haus für Haus, kroch die toxische Brühe durch das Tal, bis außer Erinnerungen nichts mehr von Geamana übrig war. Unter der dicken Kruste aus Schwermetallen und Chemikalien liegen heute nicht nur die ehemaligen Wohnhäuser, sondern auch die Felder, der Friedhof und das gesamte Leben der Menschen von damals begraben
Nur ein einziges Bauwerk ragt noch aus dem See hervor: die Spitze des Kirchturms, einst auf dem höchsten Hügel über dem Dorf erbaut – rund 100 Meter oberhalb des einstigen Dorfzentrums. Heute ist sie das letzte sichtbare Zeichen einer versunkenen Welt – und zugleich ein Mahnmal.
2018 war der „See“ etwas 130 Hektar groß.



Geamana heute
Heute leben nur noch wenige Menschen in den wenigen Häusern, die auf den Hügeln rund um den Teich verstreut liegen. Die Einheimischen leben schon seit der Katastrophe dort oder haben in den Häusern ihrer Großeltern gewohnt und erzählen gerne Geschichten über das Dorf vor und nach dem Bau des Staudamms.
Täglich werden neue giftige Rückstände aus der nahegelegenen Kupfermine bei Abrud in den See gepumpt. Der Pegel steigt weiter. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der letzte Zeuge – der Kirchturm – im giftigen Schlamm untergeht.
2023 lebten noch knapp 15 Menschen um den See herum. Alle paar Jahre wird ein neues Haus überflutet, sodass die Besitzer gezwungen sind, zu ihren Kindern oder Verwandten zu ziehen.
Die ehemaligen Bewohner des Dorfes trafen sich 2018 und 2023 an ihren ehemaligen Wohnhäusern.
Wichtig zu wissen!
Das Seewasser ist hochgiftig und mit Zyanid und anderen Chemikalien versetzt!
Mehr Lost Places gibt es hier–> Urbex Europe
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Quelle:
Artikel in Stiri de Cluj (auf rumänisch)
Artikel in adevarul (auf rumänisch)
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