Albanien im VW Bus – Velipoja-Koman

Koman Stausee

Nachts an der Grenze Albaniens… 

Wir sind alleine, wissen nicht wo wir übernachten werden und was uns in diesem Land erwartet. Wir wussten nur, Montenegros bebaute Küste wollten wir so schnell wie möglich hinter uns bringen. Die Grenze Albaniens durften wir problemlos passieren. Wir befahren enge Straßen, die momentan Baustellen sind, können nicht sehen, wie tief es seitlich abwärts geht. Kommen durch kleine Orte, in denen Männer in Cafés spielen und trinken. Sehen Kühe die auch nachts keine Scheu haben, die Straße einfach zu überqueren und uns zur Vollbremsung zu zwingen.

Als wir anhielten und überlegten, ob die Entscheidung, nachts in Albanien anzukommen, die Richtige war…genau in diesem Moment, singt der Muezzin…mitten im Nichts auf irgendeiner einsamen Straße im albanischen Nirgendwo und wir sind verzaubert und wussten..alles läuft genau richtig…

Velipoja Beach

In dieser Nacht sind wir noch Richtung Küste gefahren und haben am Strand von Velipoja übernachtet. Velipoja ist 23 km von Shkodra entfernt und liegt am Drin-Golf an der Grenze zu Montenegro. Erst am Morgen konnten wir erkennen, wo genau wir gestrandet sind. Ein kilometerlanger Sandstrand erwartete uns. Die Strandbars waren zum größten Teil schon abgebaut.

 

Strand Velipoja
Strand Velipoja

In der Hauptsaison ist es hier sehr belebt. Der Strand übersät von Strandliegen und Schirmchen. Eine Strandbar neben der anderen. Viele Urlauber aus dem Kosovo und dem nahe gelegenen Montenegro urlauben hier.

Mitte September ist hier aber alles leer. Erst später am Morgen kamen vereinzelt Personen um sich am Strand zu sonnen.

Hier an diesem ersten Tag in Albanien fiel uns die auffällig große Sammlung an Müll, der überall verstreut lag, sofort ins Auge.

Wildcampen am Strand in Albanien
Wildcampen am Strand in Albanien

Einheimischer Erstkontakt 😉

Ein Stück weiter den Strand entlang, fanden wir noch eine Strandbar die geöffnet aussah. Zumindest turnte eine Katze auf der Kaffeemaschine und mehrere Hunde sprangen vor der Bar herum. Ein älterer Mann schlief in der Bar auf einer Liege. Als wir kamen, sprang er auf und begrüßte uns auf albanisch und rief nach seiner Tochter, die komplett voll Schlamm im Gesicht, nichts ahnend nach vorne kam und gerne im Boden versunken wäre. Sie entschuldigte sich mehrmals und es war ihr total peinlich, am Ende konnten wir sie beruhigen und lachten alle darüber. Sie sprach fließend englisch und wir bekamen den besten Espresso der Welt. Das war die erste Überraschung in Albanien…es gibt überall in Albanien hervorragenden Kaffee. Egal ob Imbiss, Bar, Restaurant, edle oder abgeranzte Lokalität…der Kaffee ist immer bombastisch.

Kontaktaufnahme mit Händen und Füßen

Hier bekamen wir schon am ersten Tag, die albanische Freundlichkeit zu spüren. Albaner reden einfach drauflos, ganz egal ob du etwas verstehst oder sie dich verstehen. Es gibt keine Scheu vor Kontakten und notfalls werden Hände und Füße eingesetzt.

Auf die Frage nach Milch und Zucker, habe ich zu meinem nein noch bekräftigend mit dem Kopf geschüttelt und bekam prompt Milch und Zucker. In Albanien nickt man bei einem Nein und schüttelt mit dem Kopf für ein Ja. Gewohnheiten sind nur schwer abzulegen, von daher hatte ich häufig Milch und Zucker und bin am Ende der Reise in ein seltsames Kopfgewackel verfallen 🙂

Strandbar in Albanien
Strandbar

Bleiben wir an der Küste oder fahren ins Landesinnere?

Die Entscheidung fiel uns leicht. Nachdem wir in Kroatien schon eine Woche am Strand verbrachten, zog es uns an die Plätze Albaniens, die wir schon vorher auf Fotos bestaunen durften. Michi hatte Angst vor den Straßenverhältnissen in den Bergen, denn es sah auf den Videos immer so aus, als wären alle mit Allrad unterwegs und nicht wie wir, mit unserem 2WD. Teth und Valbona standen weit oben auf unserer Liste und wir beschlossen in diese Richtung zu fahren und einfach umzudrehen, wenn es mit dem fahren doch nicht zu schaffen wäre.

Straße zum Koman Stausee
Straße zum Koman Stausee

Um nach Teth oder Valbona zu kommen, muss man den Koman Stausee überqueren. Wir fuhren auf der SH27 Richtung Koman.

Soviel GB wie noch nie zuvor

Vorher wollten wir aber unbedingt noch eine SIM Karte kaufen, deshalb machten wir einen Abstecher über Skhodra. Besorgt euch in Albanien unbedingt eine SIM-Karte. 20 GB kosten für Touristen 10 €. Die Mitarbeiter im Handyshop waren sehr freundlich und richteten auch gleich unser Handy ein. Wenn möglich, lasst es euch einrichten, denn wir haben auf dem Weg einige getroffen, die letztendlich nicht damit zurechtkamen und noch einmal zu einem Handyshop mussten, um es dann doch eingerichtet zu bekommen.

Skhodra

In Skhodra eröffnete sich uns eine andere Welt. Eine moderne Stadt, mit vielen Bars und Restaurants. In ganz Albanien sieht man vor den Cafes, Männer jeglichen Alters Domino spielen. Jedes Land hat sein eigenes Lieblingsspiel. In Frankreich sieht man überall Boule Spieler, bei uns in Bayern spielen sie Schafkopf und hier in Albanien eben Domino. Es kann ganz schön laut zugehen bei so einem Spiel und mitunter gibt es auch ganze Meisterschaften.

In Skhodra war an diesem Tag Markt und  vor den Restaurants, lag auf Decken ausgebreiteter Fisch und Fleisch, neben Second-Hand Kleidung und Haushaltswaren. Eselkarren fuhren neben Mercedes. Es war so außergewöhnlich in dieser Stadt, dass wir uns viel länger, als eigentlich geplant, in Skhodra aufgehalten hatten. Wir nutzten den Abstecher auch um Geld abzuheben. Die albanische Währung ist Lek. Es ist aber auch überall in Albanien möglich, mit Euro zu bezahlen…umrechnungstechnisch kommt man dabei allerdings schlechter weg.

Weiter Richtung Koman Stausee..

Die Straße war viel besser befahrbar, als erwartet..viele Serpentinen, teilweise Schlaglöcher und grandiose Aussichten. Wir haben in Koman jemand mit Wohnwagen und BMW getroffen…der hat die Strecke auch geschafft, obwohl das bestimmt viel schwerer war, als er zugeben wollte.

Straße zum Koman Stausee
Straße Koman

Camping Natura 

Am späten Nachmittag kamen wir am Koman Stausee an. Eine Möglichkeit zum frei stehen gibt es hier nicht. Ist aber auch nicht notwendig, denn der Campingplatz „natura“ ist direkt vor Ort. Der kleine Platz kostet 7 € die Nacht. Er liegt direkt am See und der Name „natura“ ist Programm.

Natur pur

Der Besitzer grillt Abends Fisch und schenkt Raki aus. Falls man etwas anderes essen möchte, gibt es nebenan noch 2 Lokale. Die Atmosphäre auf dem Platz war toll. Hier übernachtet im Grunde jeder, der mit der Fähre ankommt oder losfahren möchte. Es ergaben sich viele Gespräche und Tipps. Überhaupt war anscheinend jeder Reisende den, man in Albanien traf, auch schon in Libyen, Syrien oder Ägypten mit dem Van oder Motorrad unterwegs.

In dieser Nacht starb auch unser Plan nach Teth zu fahren. Jeder 4WD Fahrer riet uns davon ab, denn anscheinend ist die Strecke sogar mit Allrad schwer zu befahren.

Camping natura Albanien Koman
Morgens am Camping natura in Koman

Auf dem Campingplatz passen ca. 20 Autos. Erdbeben haben die Waschräume stark beschädigt. Überhaupt war die Toilette und Dusche extrem natürlich. 80% der Camper haben auf die abendliche Dusche verzichtet. Wir waren überrascht, denn ehrlich gesagt, haben wir uns die albanischen Campingplätze genauso vorgestellt und kann die Toilette hier schlimmer sein, als in Libyen?? Laut unseren Campnachbarn..Ja ;

Tickets für die Koman Fähre

Bevor wir auf dem Campingplatz eingecheckt hatten, sind wir noch zum Fährhafen gefahren. Wir wollten nur die Gegebenheiten sehen und haben auch ein Terminal oder etwas ähnliches erwartet. Stattdessen kam man durch den Tunnel (man darf dort eigentlich nicht ohne Erlaubnis durchfahren, aber zu diesem Zeitpunkt wussten wir das nicht) auf einen kleinen Platz. Hier kam auch gleich  ein Mann auf uns zu, der uns Fährtickets für 90 € anbot. Von der Fahrt zum Koman war noch das Handy auf Video eingestellt. Als er das laufende Handy sah, wurden wir gleich verdächtigt von der Mafia zu sein und der Ton wurde merklich rauher. Das war die einzige Situation in Albanien, die einen seltsamen Nachgeschmack hinterließ. Wie auch bei allen anderen touristischen Attraktionen, sollte man keine Tickets von der Straße kaufen.

Abends war der Platz voll und einige hatten die Koman Fähre für den nächsten Tag schon vorab reserviert. Nachdem die Fähren sehr klein sind, war man etwas nervös ob überhaupt genug Platz vorhanden ist. Auf der Straße nach Koman gibt es auch noch den Campinglatz  „Free Camp Place“, der ja auch noch Koman Reisende beherbergt. Unsere Campnachbarn und wir reservierten sicherheitshalber doch noch. Die Fähre um 9 Uhr war schon ausgebucht, die 12 Uhr Fähre noch frei. Es sollte 5 € pro m2 kosten.

Koman Fähre

Der Fährhafen ist wahnsinnig klein. Um hinzugelangen, muss man für die Tunneldurchfahrt, 4 € Maut bezahlen. Die Reservierung funktionierte, jedoch wurden nicht die 50 € kassiert, sondern für Camper 85 €. Maße wurden nicht berücksichtigt, denn der Defender neben uns, zahlte 45 € und hatte aber  die selbe m2 wie unser T3. In der Schlange gab es Geschimpfe und Geldgeschiebe. Bankverbindungen wurden ausgetauscht, denn so viel hatte nicht jeder in Bar dabei.

Koman Fährhafen
Koman Fährhafen

Die Fähre selbst ist klein. Die Autos stehen am Autodeck und sind jederzeit zugänglich. Wir gesellten uns zu den anderen Campern und wir alle saßen mit unseren Outdoorklamotten, inmitten von schicken Rentnern.  Die Reiseführer verteilten Ihre Lunchpakete. Wir warteten nur darauf, bis die Rheumadecken angepriesen werden.

Die 2 Std. vergingen schnell und auf der Fahrt war eigentlich nur ein Abschnitt spektakulär. Tatsächlich sollten wir in Albanien so wundervolle Naturschauspiele erleben, dass der Koman Stausee in den Hintergrund geriet. Wir waren uns auch alle einig…ein 2. Mal muss es nicht sein.

Koman Stausee
Koman Stausee

 

In Fierze angekommen, beschlossen unsere lieben Campnachbarn aus Darmstadt und wir, ein Stück zusammen zu fahren.Auf der SH22 sind wir Richtung Kukës gefahren.

Die Straße ist kurvig, die Ausblicke ein Traum.

 

SH22 Richtung Kukës
SH22 Richtung Kukës

In Kukës trennten sich unsere Wege. Wir wollten wieder Richtung Küste und die anderen Richtung Ohridsee.

Ich wollte unbedingt auf der einzigen albanischen Autobahn fahren, denn die soll sich extrem von allen anderen europäischen unterscheiden. Wir fuhren also auf der SH22 und SH5  nach Reps und vorn dort ein erstes kurzes Stück auf die A1. Zum übernachten fuhren wir aber erst einmal wieder von der Autobahn ab und suchten uns einen Platz bei Rrëshen.

Wie unsere Reise in Durrës weiterging und unsere Erlebnisse mit Straßenhunden, könnt ihr hier nachlesen Rreshen bis Durres

Richtung Rrëshen
Richtung Rrëshen

Ein Kommentar bei „Albanien im VW Bus – Velipoja-Koman“

  1. […] ihr Richtung Süden, z.B. wie wir nach Albanien fahrt oder von dort zurück, können wir euch das Timmelsjoch wärmstens […]

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