Straßenverhältnisse in Albanien – Roadtrip im VW T3

1 Woche vor unserer Abreise im September 2018 nach Albanien wurde ich panisch und schrieb meiner Freundin Diana:  „Diana, können wir überhaupt nach Albanien fahren? Ich meine die Straßen…kommt man auch ohne Allrad vorwärts? Gibt es eigentlich richtige Straßen..ich meine so richtig, richtige Straßen?“  Und im nachhinein höre ich Diana seufzen, denn wahrscheinlich hat sie diese Fragen, über die Straßenverhältnisse in Albanien, schon ein Dutzend Mal gehört….

 

Straßen in Albanien

Überall im Internet liest man von den schlechten, mit Schlaglöchern übersäten Straßen in Albanien und vor meinem geistigen Auge sehe ich Schotterpisten und Schlaglöcher so groß, dass unser VW T3 darin versinkt. Ich überlege wo wir  viele Ersatzreifen in unserem VW T3 unterbringen können und ob ein komplettes Ersatz-Fahrwerk  auf einen Anhänger transportiert werden könnte.  Hilfe, wir kommen hier nie mehr lebend raus!!

Und wer ist an meinen geistigen Horrorszenarien schuld? Ja, das Internet und vielleicht ein klein wenig meine Mama. Denn sie war 2003 in Albanien und da gab es tatsächlich nur Schotterpisten und keine einzige asphaltierte Straße.

Pferdetransporter in Albanien
Pferdetransporter

 

Die häufigste Frage an uns ist: Wie sind die Straßenverhältnisse in Albanien? 

Weshalb diese Frage gerade bei Albanien so häufig auftritt, ist mir noch immer ein Rätsel. Da aber auch wir uns vorab die Frage stellten und nun im nachhinein wissen, dass die Gedanken darüber unbegründet waren, will ich euch mal ein wenig näher bringen, wie wir die Straßenverhältnisse empfunden haben.

Wir sind mit einem VW T3 unterwegs, bekannt für Bodenfreiheit 😉  Also sind unsere Voraussetzungen schon mal ganz anders,  als eine Fahrt mit einem tiefergelegten Sportwagen.  Nur das niemand denkt, er kommt mal gemütlich mit  seinem Ferrari oder 12 m Gespann an. Beides halte ich in Albanien nicht für praktikabel…

 

Straße von Ksmail nach Gjirokastra
Straße von Ksmail nach Gjirokastra

In Albanien gibt es eine Autobahn und viele Staatsstraßen. Bis auf ein paar Ausnahmen, sind diese in der Regel sehr gut befahrbar. Dennoch ist es nicht vergleichbar mit deutschen Straßen, denn in Albanien hat man im Grunde alle paar Meter ein Tier oder ein ungewöhnliches Gefährt vor oder neben sich.  Oft sind es auch Menschen die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf einem Esel unterwegs sind.  Schon aus diesem Grund ist die Geschwindigkeit begrenzt (außer bei Albanern) und man kommt viel langsamer voran. Nicht selten ist es sehr kurvig. Für eine Strecke bei der das Navi so und soviel Zeit veranschlagt, sollte man sich darüber im klaren sein, dass es definitiv viel länger dauern wird, bis ihr an euer Ziel kommt. Im Vorfeld hatten wir eine grobe Route geplant. Vor Ort sind wir dann doch ganz anders gefahren.

Auch bei den asphaltierten Straßen kann es Schlaglöcher geben oder der Asphalt hat mit den Jahren das ultimative Ende erreicht. z.B. der Zubringer zum Koman Stausee wurde in unseren Reiseführern noch als sehr gut beschrieben. Da haben wir uns 2018 etwas gewundert, denn das letzte Stück zum Koman ist schon sehr holprig geworden. Dafür wurden andere Straßen als schlecht beschrieben und sind mittlerweile asphaltiert. Albanien verändert sich schnell und es kann durchaus sein, dass ein Jahr später, die Straßen schon wieder besser oder schlechter sind.

 

Straße Albanien
Zuerst sehr gut asphaltiert und dann sieht es so aus 😉

Abseits der Straße

Es gibt unzählige Offroad Strecken und Albanien ist ein Eldorado für Overlander. Auch die Strecke zu einem einsamen Strandabschnitt kann ein Erlebnis sein und ist häufig nur eine Piste. Wer schon auf Korsika war und die Strecke zum Camping U Paradisu kennt…genau so ist das in Albanien, wenn ihr an einsame Strände wollt.

Wenn dir dein Navi Abkürzungen vorschlägt, sollte man vorsichtig sein. Ganz schnell kann sich die Abkürzung als ein langes Vergnügen mit vielen Helfern herausstellen…aber hey, so kommt ihr auf jeden Fall mit Einheimischen in Kontakt 😉

 

Albanien Alte Straße Fierzë nach Kukës
SH 22  Fierzë nach Kukës

Wer auf Nummer sicher gehen will…

…muss manchmal „Umwege“ fahren, aber zumindest ist die Straße dann bei einer Panne nicht Schuld. Es gibt viele gut ausgebaute Straßen in Albanien.  Die Straße an der Küste entlang von Albanien nach Griechenland ist wirklich für jedes Fahrzeug gut befahrbar. Auch die Autobahn von Durrës in den Kosovo.

Ksmail nach Gijrokastra, also die SH99 und SH4 waren auch problemlos.

Osum Canyon nach Gjirokastra sind wir nicht die kurze Strecke gefahren, sondern einen Umweg über die SH4. Die Strecke ist wesentlich weiter, aber prima zu fahren.

Osum nach Ksamil sichere Strecke
Unsere Strecke vom Osum Canyon nach Ksamil

 

Straßenverkehr in albanischen Städten

Positiv überrascht waren wir von dem Verkehr in den albanischen Städten die wir besuchten: Diese waren Berat, Durres, Gijrokastra, Shkodra, Saranda und Rrëshen. Auch hier hörten wir im Vorfeld häufig von den „schlimmen“ Autofahreren.  Vielleicht geht es chaotischer zu, als in Deutschland, aber in Italien Auto fahren finden wir viel krasser.

Übrigens ist es das erste Mal, dass wir freiwillig Städte besuchten. In den meisten anderen Ländern geben wir uns den Stress eher selten. Parkplätze haben wir auch immer problemlos gefunden und teilweise kostenlos. Wenn wir mal nicht so sicher waren, ob das parken erlaubt ist, kam immer jemand auf uns zu und half freundlich (oft mit Händen und Füßen) weiter.

Die 895 000 Einwohner Großstadt Tirana haben wir nicht besucht.

Baustelle in Albanien
Baustelle in Gijrokastra

 

Verkehrsregeln in Albanien

Mit Abblendlicht fahren ist Pflicht.

Aufpassen beim Raki trinken, denn 0,1 Promille darfst du nicht überschreiten.

Höchstgeschwindigkeiten:

  • 40 km/h innerorts
  • 80 km/h über Land
  • 90 km/h auf Schnellstrassen (blau markiert)
  • 110 km/h auf Autobahnen (grün markiert)

Wohnmobil bis 3,5 t darf außerorts 70 km/h und auf der Autobahn 80 km/h fahren

Maut

Seit 2019 gibt es nun auch eine Mautstelle in Albanien und zwar betrifft diese eine Teilstrecke auf der Autobahn. Pro PKW kostet die Maut 5 €.

Pflicht

  • Grüne Versicherungskarte
  • Führerschein (es reicht der deutsche aus)
  • Fahrzeugpapiere
  • Verbandszeug
  • Warndreieck
  • Abschleppseil
  • Reservereifen

Nehmt eine Warnweste mit. Da Sie in anderen Ländern schon Pflicht ist, habt ihr sie wahrscheinlich eh dabei. Falls ihr doch eine Panne habt, schadet es nicht, wenn ihr gut sichtbar seid.

Polizeikontrollen

Die Polizei kontrolliert sehr viel. Haltet euch an die Geschwindigkeiten (meistens könnt ihr eh nicht schneller fahren) und haltet bei einer Kontrolle eure Papiere bereit.

Bei einer Panne oder einem Unfall

  • Polizei (Policia): +355 / 112 /129
  • Verkehrspolizei (Policia Rrugore) +355 / 126
  • Feuerwehr (Zjarrfikësit): +355 / 128
  • Rettung (Urgjenca): +355 / 127

Alles weitere Wissenswerte zu Straßenregeln in Albanien, findet Ihr auf der Seite Autofahren in Albanien

 

Albanien Straße Durres an der Küste
Straße Durres an der Küste

 

Fazit:

Ihr habt Albanien als Reiseziel gewählt, wegen der schönen Strände und dem guten Essen?! Wahrscheinlich doch eher, weil Albanien Abenteuer verspricht. Natur, Aufregung, ein noch halbwegs unentdecktes Idyll in Europa. Genau deshalb, möchte man in Albanien keine Straßenverhältnisse wie in Deutschland vorfinden. Man braucht den Nervenkitzel und genau das können auch Albaniens Straßen bieten. Hier ist wirklich noch der Weg das Ziel.

Klar gibt es Schlaglöcher auf den Straßen und auch Menschen, Tiere und vollgepackte Gefährte können vor dir herumwuseln. All das empfanden wir aber, als nicht so dramatisch. Die Straßen waren zum größten Teil gut befahrbar. In manchen Regionen Albaniens, wie z.B. Teth ist das allerdings anders. Manche Strecken sollte man eher nicht ohne Allrad fahren. Wir konnten immer wieder feststellen, dass die Einschätzung von anderen Reisenden vor Ort, absolut zutreffend sind. Also sucht Kontakt…

Wer sich unsicher ist, nimmt einfach erstmal die Straße an der Küste entlang und wird dann ein Gefühl dafür bekommen ob mehr geht oder ob man lieber direkt am Strand bleibt. Die Sehenswürdigkeiten im Süden Albaniens, rund um Ksamil, sind auch sehr unproblematisch zu erreichen.

Gute Fahrt und vielleicht sehen wir uns ja im Oktober 2019 in Albanien 🙂

 

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